Clemens J. Setz

Mein Leben als Noiseband

Erzählungen
Cover: Mein Leben als Noiseband
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518433119
Gebunden, 383 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Pauls Sprache ist Noise: monströs dahertosende Tracks, auf denen er mit verzerrter Stimme seine Verzweiflung hinausschreit. Abseits der Bühne herrscht Leere, niemand scheint ihn und seine Lyrics zu verstehen, sein Leben verbringt er weitgehend allein. Bis auf Mark, der Teil der Band ist, sich aber mehr und mehr zurückzieht - und bis Paul nach einem Konzert Annika kennenlernt. Sie teilt seine Faszination für Noisebands wie Hanatarash oder Atrax Morgue, und Paul verliebt sich übergangslos in sie. Als sie ein Kind bekommen, lässt sein Druck nach, alles in mörderisch lauter Musik auszudrücken. Doch was bleibt jetzt noch von seiner Kunst? Und wieso ist Mark endgültig abgetaucht?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.09.2026

Rezensent Samuel Hamen spürt die Stromstöße, die ihm Clemens J. Setz in seinem neuen Erzählband versetzt deutlich. Denn einmal mehr führt ihn der Autor in "Zwischenzonen", fokussiert auf Glitches bzw. macht Störungen in der Realität sichtbar. So liest Hamen hier etwa von einer Unterhaltung in den Kommentarspalte eines Würge-Pornos, in dem die User bemerken, dass die Darstellerin auch im Fenster im Hintergrund der Sexszene zu sehen ist. In einer anderen Erzählung begegnet der Rezensent einem blinden Brandopfer, das nach einem YouTube-Stream von seiner Umwelt wissen will, wie schlimm es aussieht. Aber auch die Themen Kindeswohl und Vaterschaft spielen in den Erzählungen eine Rolle, fährt der Kritiker fort, der einmal mehr staunt, wie Setz Verdängtes und Außenseiter sichtbar macht, ohne sie voyeuristisch vorzuführen. Und so lässt sich Hamen einmal mehr gern von Setz vom Abseits weg ins "gemeinsame Diesseits der Literatur" führen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.08.2026

Rezensentin Marie Schmidt annonciert "Männerliteratur, die es jetzt braucht" - denn bei so viel "Full-Speed-Emanzipation" von Frauen, fragt sich die Kritikerin: Was machen denn die Männer derweil? Die Antwort findet sie in neuen Erzählbänden von Clemens J. Setz und Tony Tulathimutte, in denen es um Anziehung und Abstoßung von Gewalt, Perversionen und um die Sehnsucht nach Nähe geht. Beide Bände hält Schmidt für Sensationen, wenngleich sie einräumt, dass die Brillanz von Setz unerreichbar bleibt. Denn wenn der in einer Mischung aus Komik und Schock über Vaterschaft in verschiedensten Formen erzählt, entdeckt die Rezensentin nicht nur eine Subtilität, die Tulathimutte abgeht, sondern auch Sätze, die vor Präzision und Schönheit geradezu "glühen". Dass weder Setz noch Tulathimutte das Risiko scheuen und weder sich noch ihre Figuren schützen, verbucht Schmidt als Gewinn.

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