Claudius Seidl

Schöne junge Welt

Cover: Schöne junge Welt
Goldmann Verlag, München 2005
ISBN 9783442310746
Gebunden, 190 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Forever young - oder doch nicht? Die heute tonangebende Generation bewegt sich auf die Vierzig zu oder hat sie vor kurzem überschritten. Aber anders als zu Zeiten ihrer Eltern, als es klare Vorstellungen vom Weg ins Erwachsensein gab, wissen die wenigsten heute so recht: Ist man schon alt, oder fühlt man sich noch jung? Die meisten ahnen: beides zugleich. Denn innerhalb von nur einer Generation hat sich die Gesellschaft revolutioniert. Wir werden immer später erwachsen, aber wir wissen bis heute nicht, was das bedeutet: Schieben diejenigen, die heute zwischen 30 und 50 sind, den Moment, da sie die Dinge endlich in die Hand nehmen, immer noch vor sich her? Was sind ihre Vorstellungen vom Glück, von der Liebe, von einer Karriere? Und sind all jene, die ihre Jugend so weit verlängert haben, überhaupt in der Lage, in Würde zu altern? Werden sie nicht, weil sie Jugend für einen Charakterzug und nicht einen Lebensabschnitt halten, verzweifeln an den ersten echten Alterserscheinungen?
Claudius Seidl zeigt, wo die Ursachen dieser Entwicklung liegen und was ihre Folgen sind. Und er beschreibt voller Esprit, was es für uns bedeutet, immer jünger zu werden. Innerhalb von nur einer Generation hat sich die Gesellschaft revolutioniert: Wir werden immer jünger, werden immer später erwachsen. Claudius Seidl zeigt, warum das eine gute Nachricht ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.05.2005

Katharina Rutschky nutzt ihren Verriss dieses Buches für einige generelle Invektiven gegen das  Genre des "Monumentalfeuilletons", in dem "journalistische Anmutungen ruckzuck in melodramatische Botschaften" verwandelt würden. Auf den Feuilletonseiten mag Rutschky dies noch durchgehen lassen, in Buchform findet sie es meist "dünn, düftig und peinlich". Auch bei Claudius Seidl. Ungetrübt von soziologischen Kenntnissen, schimpft Rutschky, gebe sich Seidl hier "ranzigen Männerfantasien" hin oder der "Männertrauer" über die schreckliche Einsicht, für die meisten Parties zu alt geworden zu sein. "Schwach und zweifelhaft" findet sie die Passagen, in denen Claudius auf seine frühere Arbeit als Filmkritiker rekurriert. Ärgerlich aber wird es da, meint sie, wo er "Experten" konsultiert und mit ihnen zusammen vermehrte Teenager-Schwangerschaften als evolutionäre Lösung der sinkenden Geburtenrate proklamiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.05.2005

Über den grünen Klee lobt Franziska Speer dieses Buch über die gegenwärtige Generation von Berufsjugendlichen, das der Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Claudius Seidl, vorgelegt hat. Ein "modernes, vielleicht sogar prophetisches Buch" nennt sie das Werk, dazu "gut geschrieben, professionell recherchiert, süffig, kulinarisch, leicht - um nicht zu sagen easy - lesbar". Weitgehend zustimmend referiert sie die Analysen Seidls, wonach die Generation der Dreißig- bis Vierzigjährigen keinen Lebensbauplan mehr hätten, sich von der eigenen Jugend nicht verabschieden könnten, nie erwachsen werden wollten, und, ohne es je gewesen zu sein, übergangslos senil würden. Ferner schildert sie Seidls düsteres Szenario eines mit zunehmender Härte ausgetragenen Generationenkampfes in der Gerontokratie der Deutschland. Trotz des großen Lobes hält Speer das Buch zur Klärung der eigenen Position für "eher nicht geeignet". Übrig bleibe ein undeutliches Gefühl, so Speer, "dass wir auf der sicheren Seite eigentlich nur dann sind, wenn wir so lange wie möglich so jung wie möglich bleiben". Ein Gefühl, dass sich Dank Seidels "klarem Plädoyer gegen den Jugendwahn" am Ende des Buches dann wieder verflüchtigt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.03.2005

Wohlwollend bespricht Ursula März dieses Buch von Claudius Seidl, das ihrer Meinung zwar nicht ganz an einen guten Essay heranreicht, aber auch mehr bietet als die beim Generationen-Thema übliche "ichkritische Kulturplauderei" Ganz neu sei nicht, was Seidl hier beschreibe, aber auch nicht dumm: Die biografische Landschaft ebne sich immer weiter ein, bis sie am Ende nichts anderes sei als "eine einzige monotone, statische Fläche gefühlter Jugendlichkeit". Seidls Denkform beschreibt März als die "feuilletonistische Diagonale", die "Kierkegaard mit Cary Grant, Daryl Hannah mit Helmut Kohl in Verbindung bringt". Schön zu lesen sei sie natürlich, diese Form des "Münchner Lässigkeitsjournalismus", meint März, vermisst jedoch alles in allem einen gewissen "Erkenntbiss".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.03.2005

Dieses Buch wird an der Ladenkasse scheitern, glaubt Rezensent Gerrit Bartels. Für ein Generationsbuch in der Nachfolge von Florian Illies' "Generation Golf" sei es nämlich "eine Idee zu komplex und essayhaft geraten". Claudius Seidls Thema ist das Verschwinden der Vorstellung, die Jugend könnte irgendwann zu Ende sein: Auch die über 40-Jährigen fühlen sich heute noch jung. Seidl belege dies mit Geschichten aus dem eigenen Leben und Interviews, die er mit "Freunden, seiner Schwester und Leuten aus dem Kulturbetrieb" geführt hat. Diese Personen, wendet der Rezensent ein, sind jedoch nicht repräsentativ für die Gesellschaft: Ärzte und oder VW-Arbeiter führen ein anderes Leben als Angehörige des Medienbetriebs. Davon abgesehen empfindet der Rezensent große Sympathie für den Autor, der mit seinen 46 Jahren bekennt, nachts immer noch gern in "irgendwelchen angesagten Clubs" zu stehen. Bartels kann das offenbar gut nachvollziehen. Zugleich gefällt ihm die "Melancholie" mit der Seidl sich andererseits fragt, ob die 30- bis 60-Jährigen vielleicht doch nur "in einem Gegenwartsknast" leben. Alles in allem, so der Rezensent, stellt das mit "Leichtigkeit" und "Eleganz" geschriebene Buch "seine Gebrochenheit hübsch aus und verzichtet auf jede Form von simpler Handreichung und Gebrauchsanweisung."