Clarice Lispector

Nahe dem wilden Herzen

Roman
Cover: Nahe dem wilden Herzen
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2013
ISBN 9783895616204
Gebunden, 272 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Ray-Güde Mertin und Corinna Santa Cruz. 1943: Das Romandebüt einer Dreiundzwanzigjährigen ist die literarische Sensation. Zum ersten Mal wagt es eine brasilianische Schriftstellerin, das komplexe Innenleben ihrer Heldin offenzulegen und die konventionellen Gesellschaftsmuster zu hinterfragen. In "Nahe dem wilden Herzen" konzentriert sich Clarice Lispector auf die Reflexionen ihrer Heldin Joana und dringt in die Tiefen ihrer Gefühlswelt vor. Das Lebensumfeld der jungen Frau blitzt darin nur gelegentlich auf: Da ist der frühe Tod des Vaters, die unglückliche Kindheit bei der Tante, die Einsamkeit im Internat, die am gegenseitigen Betrug scheiternde Ehe mit dem Rechtsanwalt Otávio. Auch wenn sie Isolation dafür in Kauf nehmen muss, beschreitet Joana gegen innere und äußere Widerstände unbeirrbar ihren Weg zu ihrem eigenen inneren Reichtum, ihrem "wilden Herzen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2013

Wiebke Porombka freut sich sehr, dass der brasilianischen Autorin Clarice Lispector wenigstens posthum die gebührende Anerkennung gezollt wird, in Brasilien selbst ist sie inzwischen eine Kultfigur, weiß die Rezensentin. Jetzt ist unter anderem Lispectors Debütroman "Nahe dem wilden Herzen" in einer überarbeiteten Übersetzung neu erschienen, berichtet Porombka, die bereits in diesem ersten Buch die meisten großen Themen der Autorin findet, allen voran den Tod. Es ist der Wunsch nach Erlösung, den Lispector durch ihre Figuren hindurch erfüllen möchte, erklärt die Rezensentin, in diesem Fall durch Joana, deren Leben in wechselnden Szenen aus Kindheit, Jugend und aus ihrer scheiternden Ehe geschildert wird, die allesamt bestimmt werden vom frühen Tod ihrer Eltern und dem "Konglomerat aus Stolz, Amoralität und Verschlossenheit", in das sich die Protagonistin aus ihrem Leid geflüchtet hat, fasst Porombka zusammen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013

Endlich sind die Bücher der brasilianischen Schriftstellerin Clarice Lispector, die in ihrem Heimatland fast "religiöse Verehrung" genießt, auch auf Deutsch erhältlich, jubelt Rezensent Burkhard Müller, der vor allem den bereits im Jahre 1943 erschienenen Roman "Nahe dem wilden Herzen" preist. Der Roman, der die junge Autorin mit 23 Jahren berühmt machte, erzählt die Geschichte von Joana, die sich lieber mit dem Pantheismus Spinozas beschäftigt als mit ihrem Ehemann, der sie dann auch bald für seine ehemalige Verlobte verlässt. Viel, so Müller, geschieht nicht in diesem Buch, auch auf die typischen Motive lateinamerikanischer Literatur verzichte Lispector: kein Karneval, keine Slums, keine tropische Farbenpracht. Stattdessen lässt sich Müller von Lispectors poetischem Sprachfluss forttreiben und bewundert ihr Vermögen, den Leser mit einer Mischung aus Zärtlichkeit und Grausamkeit in den Bann zu ziehen. Die Möglichkeit, die wohl größte Schriftstellerin der portugiesischen Sprache wiederzuentdecken, sollte sich niemand entgehen lassen, rät der Kritiker.
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