Claire Beyer

Rosenhain

Sechs Geschichten von fünf Sinnen
Cover: Rosenhain
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783627001032
Gebunden, 206 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Rosenhain versammelt wunderbare Geschichten. Auf den ersten Blick sind es Liebesgeschichten, die von der Blindheit der Gefühle unseren Partnern gegenüber handeln. Gleichzeitig sind Geschichten über unsere fünf Sinne: "Rot" handelt vom Schmecken, "Kapitelle" vom Sehen, es folgen Riechen, Fühlen und Hören. Die sechste Erzählung "Der Denker" vereint schließlich alle fünf vorherigen Geschichten zu einem Ganzen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.05.2004

Dem erfolgreichen und vielgelobten Erstling "Rauken" sollte ein Buch über die fünf Sinne folgen, das in wiederum fünf Erzähl-Akten dem Schmecken, Sehen, Hören, Fühlen und Reichen huldigt, die dann wiederum in einer abschließenden sechsten Erzählung in einen übergeordneten Zusammenhang gehoben werden sollten, verrät Christiane Schott das Konzept, dessen Fehlschlag für sie auch von unkompetenter Beratung durch den Verlag zeugt. Die fünf zunächst zusammenhanglos erscheinenden Erzählungen, die Beyers Personal quer durch die Welt führen, so Schott, handeln alle von der vergeblichen Sehnsucht nach Sinnlichkeit, denn statt dass sie Schmecken und Fühlen lehren, meint die enttäuschte Rezensentin, zeugten sie von vereinsamten und verzweifelten Menschen, denen das Hören und Sehen vergangen sei. Inhaltlich seien die Geschichten völlig überfrachtet, schimpft Schott. Aber auch sprachlich tauchten Mängel und Stilblüten im syntaktischen Wirrwarr der Sätze auf. Außerdem habe die Autorin ihren Geschichten, die, solange sie im Stillstand bei ihren Protagonisten verharrten, durchaus gelungen seien, bizarre Handlungsmuster und Kleinstkrimis untergeschoben, die nur zusätzliche Verwirrung im Kopf des Lesers bewirkten, bemängelt Schott und sieht Aktionismus und Mystifizierung statt eines neuen Erzähltalents am Werk.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.03.2004

Esther Röhr sieht ihre Hoffnung enttäuscht, dass Claire Beyer nach ihrem viel versprechenden Prosadebüt "Rauken" auch mit ihrem zweiten Buch an die sprachliche Qualität und Dichte des ersten anschließen könne. Was ihr beim ersten Band eindrucksvoll wie kindliche Magie erschienen ist, münde im zweiten in Redundanz und Trivialität, schimpft Röhr. Überhaupt sei die durchsichtige Konstruktion die "unseligste Eigenschaft" des Buches, kritisiert Röhr weiter, sechsmal werde in exemplarischen Paargeschichten das Abhandenkommen unserer Sinne beziehungsweise Sinnlichkeit beklagt und durchexerziert, mit populären Symbolen und symbolhaften Orten aufgepeppt, von endlosen inneren Monologen zersetzt und durch parabelhafte Pointen entwertet. Besonders ärgert die Rezensentin, dass Claire Beyer ausschließlich das weibliche Personal im Reich des Metaphorischen zu Schulden kommen lässt: während sich die Männer mehr oder wenig unbehelligt durch die Geschichten bewegen könnten, ließe Beyer die Frauen so agieren, beklagt sich Röhr, als hätten nur sie nicht mehr ihre fünf Sinne beisammen. Am Appellcharakter des Buches, seinem vordergründigen Plädoyer für eine archaische Seinserfahrung ändere das ohnehin nichts mehr, erledigt Röhr den ganzen "Rosenhain".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.01.2004

Flüchtig gelesen wirkt das Buch "harmlos", erweist sich bei genauerem Hinsehen aber "als intelligentes Gründeln im Sinnenmeer", lobt Rolf-Bernhard Essig die Erzählungen von Claire Beyer. In den sechs Geschichten von den fünf Sinnen setzt die Autorin ihre Figuren Ausnahmesituationen aus, in denen "einer anfänglichen Taubheit eine Sensibilisierung der Sinne folgt", beschreibt der Rezensent die Konstruktion der Erzählungen. Dabei setzt Beyer "sorgfältig" Schauerromanelemente ein und komponiert ihre Geschichten "gekonnt", freut sich Essig und verzeiht dem Buch einige "abgegriffene Bilder" und die mangelnde Unterscheidbarkeit der Figuren.
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