Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit. Es ist das Jahr 1933. Europa steht am Abgrund, und in London laufen die Dreharbeiten für eine Filmschnulze namens "Praterveilchen". Der ebenso temperamentvolle wie narzisstische Regisseur Friedrich Bergmann, ein österreichischer Jude, hadert mit der Oberflächlichkeit seiner Branche und leidet an den politischen Entwicklungen in seiner Heimat. Doch kaum jemand schenkt Bergmanns Mahnungen Gehör. Christopher Isherwood fangt in diesem Roman - der anknüpft an sein wohl berühmtestes Werk "Leb wohl, Berlin" - die apathische Stimmung im England der frühen Hitlerjahre ein und seziert die amoralischen Tendenzen des Filmgeschäfts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2015
Mit einem Nachwort hätte der Band Rezensent Michael Krüger noch besser gefallen. Dass er sich mit Christopher Isherwood und seiner Figur Bergmann alias Berthold Viertel gleich zwei fast vergessene Größen der Literaturgeschichte ins Gedächtnis rufen kann beim Lesen des schmalen Romans, findet er famos. Als genaue, liebevolle und bisweilen ironische Charakterstudie über einen grantigen Regisseur und Sozialgeschichte des Kinos taugt das 1945 erschienene Büchlein Krüger darüber hinaus. Und dass Isherwood hier außerdem eine autobiografische Geschichte erzählt, weiß Krüger auch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.12.2015
Bereits 1945 erschienen und gerade mal 128 Seiten lang, ist Christopher Isherwoods Roman "Praterveilchen" noch immer ein Ereignis, versichert Rezensent Alexander Menden. Von herausragender Leichtigkeit ist die quasi-autobiografische Erzählung über die Dreharbeiten an einem Film im Jahre 1934, meint der Kritiker, der das Buch auch als Charakterstudie über Künstler liest, die glauben, sich prostituieren zu müssen. Denn Isherwood vermag nicht nur die Spannung zwischen der Walzerseligkeit des Filmes und der finsteren politischen Lage der Realität brillant zu beschreiben, so der Rezensent, sondern stelle auch eindrucksvoll dar, wie ein hochzivilisierter Alltag durch die zerstörerischen Kräfte der Feinde bedroht werde.
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