Durchsuchen Sie unsere Bücherdatenbank nach Themen, Ländern, Epochen, Erscheinungsjahren oder Stichwörtern.
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Aus dem Archiv
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Christoph Hein

Landnahme

Roman
Cover: Landnahme
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518416013
Gebunden, 360 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Christoph Hein erzählt die Lebensgeschichte Bernhard Habers über fast fünfzig Jahre aus der Sicht und mit den Stimmen von fünf Wegbegleitern. Es ist der Lebenslauf eines Außenseiters in der Provinz, der mit der großen Geschichte scheinbar nichts zu tun hat und doch den Verlauf deutscher Geschichte vom zweiten Weltkrieg bis zur Jahrtausendwende exemplarisch spiegelt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.02.2004

Alle erwarten von Christoph Hein das "große Wende-Epos", und was schreibt er? Einen Einheits-Roman, meint Rezensentin Kristina Maidt-Zinke. Was vielerlei Interpretationen zuzulassen scheint. Nicht nur, dass das im Osten angesiedelte Vertriebenenschicksal des Bernhard Haber sich ebenso hätte im Westen abspielen können (wo Politik wie "fernes Gewitter" an den "geistigen Schrebergärten des Volkes" vorbeiziehe) - der Roman ziehe sich "ziemlich zäh" hin, "beschwert von hölzernen Dialogen", und verharre "ostentativ im grauen Mittelmaß". Was die Rezensentin zum (merkwürdigen) Fazit führt, dass "das, was uns eint" kein Stoff für große Literatur sein kann, sondern nur für stickige, mit "dumpfem Dunst" angefüllte Geschichten.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.02.2004

Als epischen Fünfteiler, in dessen "doppelten Seitenaltären" sich der Autor als Meister zeigt, beschreibt Martin Krumbholz den neuen Roman von Christoph Hein. Im "länglichen" Mittelteil, moniert er, stehen dagegen "erzählerischer Aufwand" und "Pointe" im Missverhältnis. Dem Held Bernhard Haber, "ein von allen gemiedenes, aber eigentümlich selbstbewusstes Umsiedlerkind", geht es nicht ums Glück, dessen Abwesenheit, so der Rezensent, in Heins Büchern keineswegs beklagt wird, sondern um die Durchsetzung in "einem Biotop, das ihn auszuschließen bestrebt ist". Gelungen findet Krumbholz die Multiperspektivität des Romans, in der sich Heins Mimikrykunst zeige: Die fünf Teile, die das Leben des Helden Bernhard Haber aus je verschiedenen Perspektiven erzählen, seien nicht als Puzzleteile zu verstehen, nicht als "Mosaik", sondern als "divergente Lebensentwürfe, auf deren spezifischer Folie Habers Vita durchaus unterschiedliche Konturen annimmt."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.01.2004

Sehr eingehend widmet sich Ursula März dem Roman "Landnahme" von Christoph Hein. Die Hauptfigur Bernhard Haber, die es in einer sächsischen Kleinstadt vom verachteten Vertriebenenkind zum wohlhabenden und einflussreichen Unternehmer bringt, ist eine geradezu lehrbuchgerechte "Aufsteigerbiografie" wie auch ein "Prachtexemplar eines literarischen Außenseitertyps", so die Rezensentin fasziniert. Der "Zeit-, Provinz- und DDR-Roman" umfasst eine Zeitspanne von 1950 bis in die Nachwendejahre und berichtet in fünf verschiedenen Erzählsträngen aus der jeweils wechselnden Perspektive von Menschen, die erzählen, was sie über Haber wissen, informiert März. Sie lobt Heins "vorbildliches" Spielen mit dieser "Rondokomposition", in der der Autor "Erzählfülle" mit geschickten Lücken kombiniert. Wie viele Protagonisten Heins aber, sei Haber eine Figur, die mit "historischen, psychologischen Kategorien" nicht richtig zu greifen sei, was ihr eine Aura des Unheimlichen gebe, umschreibt März. März betont aber als eigentliche "große Stärke" des Autors seine Fähigkeit, die "Gegenstands- und Alltagswelt" zu beschwören, deren "Ästhetik der Unauffälligkeit" mit diesem unheimlichen Moment kontrastiert. Insgesamt charakterisiert die Rezensentin die "Landnahme" als "Uwe-Johnson-Brecht-Gewächs, das Kleist-Blüten hervorbringt", und darunter versteht sie kein reines Lob. Denn letztlich versuche Hein, eine "korrekte Mitteilung" an die Leser zu bringen, und das schade der Geschichte, kritisiert März, die glaubt, einem weniger geschickten Erzähler als Christoph Hein wäre diese Intention zum Verhängnis geworden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.01.2004

Christoph Heins neuer Roman hat für Ina Hartwig eindeutig das Zeug zum "Klassiker", und das gleich aus mehreren Gründen: "Er liegt thematisch im Trend, ist formal so perfekt wie ein goldener Schnitt, und vor allem streift er die Dimension einer griechischen Tragödie". Denn mit der Geschichte um den Flüchtlingssohn Bernhard Haber erzähle Hein die Geschichte eines "Racheverzichts" (Bernhards Vater wird erhängt aufgefunden), der die soziale "Integration" der schlesischen Flüchtlinge in ihr neues Umfeld erst ermöglicht habe. Haber selbst kommt in seiner eigenen Geschichte nicht zu Wort: Fünf andere Figuren lassen ihn in ihren Erzählungen entstehen. Bemerkenswert findet die Rezensentin, dass es Hein gelingt, gleichzeitig ein "Psychogramm einer zunächst noch diffusen, dann sich verhärtenden, schließlich überwundenen DDR" und ein "Spektrum von Charakteren im La Bruyere'schen Sinne" zu zeichnen. Und indem Hein diese beiden "Sphären" ständig miteinander verwebe, vermeide er glücklicherweise "einfache Kausalbeziehungen", etwa zwischen " Herkunft und Werdegang". Zwar stört sich die Rezensentin ein wenig an der zwangsläufigen Begrenzung der Rollenprosa, die der Komplexität des "zeitgeschichtlichen Kontextes" nicht ganz gerecht werden kann, weil sie sich strikt innerhalb des Figurenhorizonts bewegt, doch schmälert dies nicht den Stellenwert dieses Romans, der zur "Differenzierung" in der Diskussion um das Leid der deutschen Vertriebenen beiträgt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.01.2004

Dieser Roman, findet Jörg Magenau, ist das Buch, "auf das in der Wendezeit so heftig gewartet wurde". Was aber nicht heißen soll, dass es zu spät kommt, im Gegenteil. Erst jetzt, meint der Rezensent nämlich, könne man eine solche Geschichte in einem solchen Ton wirklich würdigen. Die Geschichte ist im Kern die von Bernhard Haber, der als Junge aus Schlesien nach Guldenberg kam, ins Sächsische, wo der Roman dann spielt. Erzählt wird er von fünf Ich-Erzählern, um Haber herum, deren Schicksale so unaufdringlich mit ins Bild kommen. Das Leben des Bernhard Haber, das im Zentrum steht, ist ein Erfolg, auch wenn es wegen der Anfeindungen gegen den Ost-Flüchtling zunächst nicht so aussieht. Haber wird, in der DDR, Fluchthelfer, später ein erfolgreicher Geschäftsmann, dem rassistische Anwandlungen nicht fremd sind. Was Magenau an diesem Roman gefällt, ist die nichts verharmlosende Gelassenheit, mit der Hein von der nachkriegsdeutschen Fremdenfeindlichkeit (gegen Deutsche und Nichtdeutsche) erzählt, ist die "Intelligenz der Konstruktion" und die Genauigkeit des Blicks auf das alltägliche Leben.
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Stichwörter

Christoph Hein, geboren 1944 in Heinzendorf/Schlesien, aufgewachsen in Döbeln/Sachsen, konnte als Pfarrerssohn in der DDR das Abitur nicht ablegen. Er besuchte deshalb - vor dem Mauerbau - ein Gymnasium in ... mehr lesen
Weitere Bücher von Christoph Hein

Christoph Hein: Glückskind mit Vater. Roman

Cover: Christoph Hein. Glückskind mit Vater - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2016.
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016.
Was verdankt ein von der Mutter "Glückskind" genannter Sohn dem Vater? Der ist in Heins neuem Roman eine unausweichliche Antriebskraft. Jedoch in einem alles andere als positiven Sinn:… … mehr lesen

Christoph Hein: Vor der Zeit.

Cover: Christoph Hein. Vor der Zeit. Insel Verlag, Berlin, 2013.
Insel Verlag, Berlin 2013.
Christoph Hein wendet sich in seinem neuen Erzählwerk den Mythen, den Göttern, den Erzählungen von den Taten und Untaten der alten Welt zu. Dabei entdeckt er Hochspannendes: Kleine… … mehr lesen

Alle Bücher von Christoph Hein


Bücher zum gleichen Themenkomplex

Urs Widmer: Das Buch des Vaters. Roman

Cover: Urs Widmer. Das Buch des Vaters - Roman. Diogenes Verlag, Zürich, 2004.
Diogenes Verlag, Zürich 2004.
An seinem zwölften Geburtstag erhält Karl ein Buch, voll leerer Seiten, und Tag für Tag wird er daran schreiben, ein Leben lang. Doch nach seinem Tod verschwindet es,… … mehr lesen

Thorsten Becker: Sieger nach Punkten. Roman

Cover: Thorsten Becker. Sieger nach Punkten - Roman. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2004.
Rowohlt Verlag, Reinbek 2004.
Held dieser Geschichte ist Nasrettin Öztürk, Deutscher Meister im Superfedergewicht und nicht zufällig namensgleich mit Nasrettin Hoca, den Goethe den türkischen Eulenspiegel genannt hat und der selb … mehr lesen

Thea Dorn: Die Brut. Roman

Cover: Thea Dorn. Die Brut - Roman. Goldmann Verlag, München, 2004.
Goldmann Verlag, München 2004.
Tessa Simon steht ganz oben: schön und erfolgreich, das Leben fest im Griff. Und sie hat alles: den Traumjob als Talk-Show-Moderatorin, die Titelgeschichten in Lifestyle-Magazinen, und die Liebe… … mehr lesen

Franziska Gerstenberg: Wie viel Vögel. Erzählungen

Cover: Franziska Gerstenberg. Wie viel Vögel - Erzählungen. Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main, 2004.
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2004.
Da stürzen in New York die Türme ein, und in einem Ferienbauernhof irgendwo in der Mitte Deutschlands verwandelt sich durch diese Weltkatastrophe eine empfindliche und gefährdete Liebesgeschichte urpl … mehr lesen

Sarah Khan: Eine romantische Maßnahme. Roman

Cover: Sarah Khan. Eine romantische Maßnahme - Roman. Eichborn Verlag, Köln, 2004.
Eichborn Verlag, Berlin 2004.
William Moore, zweiundzwanzigjähriger Amerikaner und Student in Heidelberg, hat zwei für seine Landsmannschaft erstaunliche Marotten: Er interessiert sich für deutsche Geschichte und erzählt gerne Nazi-Witze. … mehr lesen

Archiv: Buchautoren