Mit einem blauen Tourenfahrrad macht sich Christoph D. Brumme im Mai 2007 auf den Weg nach Saratov in Russland. Viel zu gefährlich!, warnen ihn Freunde und Bekannte, Russen, Ukrainer und Deutsche. Doch Brumme möchte die unbekannte Wirklichkeit erforschen. Er träumt davon, in der Wolga zu schwimmen, im Mondschein in der Steppe zu schlafen und sich das Rauchen abzugewöhnen. Nach acht Tagen durch Polen erreicht er die ukrainische Grenze. Es zieht ihn dorthin, wo mehr Nutz- als Zierpflanzen in den Gärten stehen. "Die Leute mit den Nutzpflanzen sind die besseren Erzähler. Die Zierpflanzen-Besitzer verfügen über ein Konto, sie haben Kaufverträge abgeschlossen, und bei ihnen kann man viel kaputt oder schmutzig machen. Das wirkt sich auf die Bereitschaft zum Erzählen aus." Bald trifft er auch frühmorgens die "Räuber und Banditen": Sie arbeiten im Regen auf den Feldern und tragen Stützstrümpfe und Hörgeräte aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.11.2009
Ganz hingerissen ist Rezensentin Angelika Overath von diesem Reisebericht Christoph D. Brummes, der mit dem Rad von Berlin an die Wolga gefahren ist. Ausgiebig philosophiert sie über das Radfahren und die Unterschiede zu anderen Formen der Fortbewegung und des Reisens. Brumme gelingt es in ihren Augen nicht nur wunderbar, die verschiedenen Landschaften in Deutschland, Polen, der Ukraine und Russland, die er durchfährt, zu beschreiben, sondern auch in zahlreichen Begegnungen mit Menschen viel von der Alltagswirklichkeit in diesen Ländern zu vermitteln. Zudem bescheinigt sie ihm, für die neue Stimmung, für die "Schönheit unter den Brüchen" empfänglich zu sein. Besonders gefallen haben ihr auch die Fotografien und Beschreibungen der Mosaike in den Buswartehäuschen in der Ukraine und in Russland, die für sie so etwas sind wie von der Kunstgeschichte "unbeachtete Kathedralen eines kleinen Unterwegsseins".
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