Christof Hamann

Seegfrörne

Roman
Cover: Seegfrörne
Steidl Verlag, Göttongen 2001
ISBN 9783882437805
Gebunden, 184 Seiten, 16,36 EUR

Klappentext

Der "gefrorene See" ist ein seltenes Naturschauspiel: Der Bodensee wird zu einer einzigen Eisfläche und verbindet seine Ufer miteinander. Die Anrainer nennen es Seegfrörne. Zur letzten Seegfrörne im Jahr 1963 hatte sich der junge Robert Teiler auf den Weg über das Eis gemacht; seither gilt er als verschollen. Viel später interessiert sich wieder jemand für sein Schicksal: Höfe, der Chronist einer kleinen Seegemeinde. Er wurde in den Ort geholt, um dessen Vergangenheit zu schildern, doch seine Recherchen zur Seegfrörne führen ihn immer wieder zum ungeklärten, geheimnisvollen Schicksal des Jungen...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.04.2002

Talent zeigt der Autor in seinem Debütroman "zweifellos", meint Manfred Papst, der den Roman über einen Chronisten, der an den Bodensee kommt und dort nicht nur die sonderbaren Menschen, sondern auch die Geschichte eines Verschollenen kennen lernt, trotzdem nicht recht gelungen findet. Denn er krankt nach Ansicht des Rezensenten an dem typischen Anfängerfehler, dass "alles hinein" muss. Schon im Genre kann sich Hamann nicht recht entscheiden, kritisiert Papst, er lege sich weder auf einen Krimi noch auf eine "Milieustudie" fest, und so gelinge es ihm nicht, eine "kohärente Form" für seine Geschichte zu findet. Dabei findet Papst durchaus, dass der Autor "im Detail" viele gelungene Einfälle hat. Er lobt seine "anschauliche, zu umgangssprachlicher Verknappung neigende Sprache" und findet es besonders angenehm, dass Hamann "große Worte" vermeidet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.11.2001

Die Geschichte vom sechzehnjährigen Bodensee-Boots-Steuermann Robert Teiler erzählt Christof Hamann als Mischung aus "Krimi, Provinzsatire, Außenseiter-Porträt und sozialpsychologischer Studie". Der Heimatforscher Höfe gräbt sie aus, als er eine Chronik einer Seegemeinde verfassen soll, bei seinen Recherchen ergeben sich "Widersprüche", die Leute können "Dumpfsinn und Bösartigkeit nicht verhüllen". Eine Abrechnung mit der Heimat ist das, meint Kristina Maidt-Zinke, die doch deren "Charme nicht verleugnen" will. Die Klischees vermeidet Hamann dabei nicht immer, bemängelt sie, die Wiederholung des Motivs vom "Ritt über den Bodensee" ist ihr irgendwann auf die Nerven gegangen. Dennoch hat sie am handwerklichen Können des Verfassers nichts auszusetzen, macht ihm jedoch gerade das zum Vorwurf: der Roman ist, findet sie, "ein eisglattes, nach allen Regeln der Literaturwerkstatt kunstreich konstruiertes Prosastück".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.10.2001

Überaus kritisch bespricht Tomas Fritzel Christof Hamanns Provinzroman, in dem ein Schriftsteller einen vertuschten Selbstmord aufzuklären versucht. Eins der Probleme sieht der Rezensent darin, dass der Autor zu sehr eins ist mit dem Protagonisten, so dass auch die "Intention des Autors zum Verschwinden" gebracht werde. Zudem schwanke der Autor in seiner Haltung zwischen "klinischem Blick und sanft komischer Ironie", wobei ihm der Spagat nur äußerst mäßig gelinge. Vor allem, dass er nicht plausibel machen kann, warum er sich so mit dem Helden identifiziert, führt für Fritzel dazu, dass der Leser sich nicht wirklich berührt fühlt. Ein weiteres Problem für den Rezensenten ist der Dialekt, der seiner Ansicht nach seiner intendierten Funktion beraubt wird, sobald man ihn verschriftlicht. Alles in allem also ein Urteil, das keine Lust macht, den Roman zu lesen.
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