Christine Eichel

Clara

Künstlerin, Karrierefrau, Working Mom: Clara Schumanns kämpferisches Leben
Cover: Clara
Siedler Verlag, München 2024
ISBN 9783827501745
Gebunden, 432 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Anerkennung, Freiheit, Karriere: Dafür kämpfte Clara Schumann ihr Leben lang - und stand vor den gleichen Herausforderungen wie Frauen im 21. Jahrhundert. Sie haderte mit ihrer Rolle als Mutter von sieben Kindern und mit der nahezu unmöglichen Aufgabe, Beruf und Familie zu vereinbaren. Gestützt auf bisher unbeachtete Quellen, erzählt Christine Eichel das Leben der gefeierten Pianistin und Komponistin radikal neu und räumt dabei mit einigen Klischees auf. Clara Schumann war keine sanfte Muse im Schatten ihres genialischen Mannes Robert. Im Gegenteil - furchtlos setzte sie sich über männliche Besitzansprüche hinweg, löste sich aus der toxischen Beziehung zu ihrem psychisch labilen Ehemann und stieg durch kluge Imagepflege zum Star ihrer Zeit auf.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.11.2024

Neue Informationen enthält die aktuelle Clara Schumann Biografie kaum, und dass sie noch wiederentdeckt werden muss als herausragende Pianistin und Komponistin, bezweifelt Rezensent Konstantin Sakkas ebenfalls. Nun kann man Christine Eichels Biografie als das ungeschönte Porträt einer durch die Umstände verhärteten Proto-Feministin, als die Geschichte einer Emanzipation qua Leidenschaft für die Kunst betrachten, und so hat die Musikwissenschaftlerin Eichel das Leben Clara Schumanns wohl auch lesen und erzählen wollen, vermutet Sakkas. In dieser Lesart Schumans als Einzelkämpferin, die sich gerade, weil sie (vermeintlich) befreit war von aller Ideologie, emanzipieren und durchsetzen konnte, erkennt Sakkas allerdings Spuren von Eichels eigener "liberal-humanistischer Leistungsethik", die auch ihre Interpretation von Schumans offensichtlicher Härte gegenüber ihren Mitmenschen bestimmt. Dazu gehört das "ungerechtfertigte" Wegsperren ihres Sohnes in eine Nervenheilanstalt, und auch die Nähe zur "kalten Antisemitin" Cosima Wagner nimmt der Kritiker ihr übel. Dass die Autorin diese Härte in keiner Weise schönt oder verschweigt, sie sogar hervorhebt, ist das große Verdienst der Biografin, findet Sakkas, so ermöglicht sie dem Rezensenten, "Clara" anders zu lesen, mit Gewinn: als ein entheroisierendes Psychogramm einer Frau, die "hart sein musste, aber es auch wollte"!