Carlo wünscht sich Erfolg im Leben, er will etwas schaffen, anerkannt sein. Doch erscheint ihm dieser Erfolg oft wie ein Hologramm: Man sieht ihn vor sich, greift hin, aber da ist nichts. Dann kommt der Moment, an dem er diese ganzen falschen Verstellungen und Hierarchiekämpfe unter den arbeitenden Menschen nicht mehr aushält. Und er tut das, was viele in diesen Zeiten gern tun würden: Er haut ab. Er läuft los und hält einfach nicht mehr an, lässt die Schwäche des Geistes und die Mutlosigkeit hinter sich und läuft Tag und Nacht, bis er einen einsamen Alpenpass erreicht hat und die Realität verschwimmt. Auf seinem Lauf begegnet er Menschen und der Natur, doch vor allem sich selbst. Im Geiste wettert er gegen die Angeber und Poser, die Hamster in den Tretmühlen. Er erinnert sich an seine Jugend und besinnt sich auf das Wesentliche: die Stärke, die im eigenen Körper wohnt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.09.2009
Ein großes Bewegungsvokabular hat sich Tobias Lehmkuhl zugelegt bei seiner Lektüre von Christian Kortmanns Roman "Der Läufer", der Carlo Kornell heißt und 220 Kilometer an einem Tag zurücklegen will. Lehmkuhl fühlte sich zeitweise neben Carlo herlaufen, "beschwingt" und "ganz unangestrengt". Die Selbstreflexionen des nicht ganz zufriedenen Münchner Protagonisten während seines fast fünfeinhalbfachen Marathons seien "rilkisch-stark" mit dem Drang nach Lebensoptimierung verknüpft, aber dabei kein "quasi-religiöses" Medium zur Läuterung durch Laufen. Vielmehr gehe es, sagt Lehmkuhl, im Roman um die Freiheit des Laufens, die erst nach einem Marathon, also nach 42 Kilometern, beginne. Der Rezensent fühlt sich sichtlich befreit nach 270 "leichtfüßigen" Seiten.
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Dörte Hansen: Broder "Es zählt nur einer auf dem Hof, das ist der Sohn, der bleibt. Aber die anderen, die übrig sind, die zweiten, dritten, vierten Söhne und die Töchter, die nicht zählen, bleiben…