Christian Jostmann

Sibilla Erithea Babilonica

Papsttum und Prophetie im 13. Jahrhundert
Cover: Sibilla Erithea Babilonica
Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2006
ISBN 9783775257541
Gebunden, 549 Seiten, 60,00 EUR

Klappentext

"Vivit, non vivit" - dieses vielzitierte Wort über Kaiser Friedrich II. steht am Anfang der berühmten Sage vom schlafenden Kaiser im Kyffhäuser, der einst wiederkommen soll, um des Reiches Herrlichkeit zu erneuern. Weniger bekannt ist allerdings der Text, aus dem es stammt: Eine apokalyptische Weissagung des 13. Jahrhunderts, die der erythräischen Sibylle zugeschrieben wurde. Ein Text, der mit mehr als 72 überlieferten Abschriften zu den am weitest verbreiteten prophetischen Texten des Spätmittelalters gehört. Die Studie von Christian Jostmann unternimmt eine angemessene Neubewertung dieses Vaticiniums, das in den Quellen zumeist als "Sibilla Erithea" bezeichnet wird. Sie setzt sich kritisch mit der Edition durch Holder-Egger von vor 100 Jahren und der wissenschaftlichen Diskussion seither auseinander, arbeitet die gesamte handschriftliche Überlieferung auf und entwirft ein differenzierteres Bild der Textgeschichte. Weiter wird die Rezeption untersucht und eine detaillierte inhaltliche Analyse des Weissagungstextes vorgenommen, die es ermöglicht, die Prophezeiungen in ihrem historischen Kontext neu einzuordnen. Demnach ist die Sibilla Erithea nicht, wie gemeinhin angenommen, in joachitischen Zirkeln Süditaliens entstanden, sondern an der päpstlichen Kurie. Dies gibt Anlass zu weitergehenden Überlegungen hinsichtlich Funktion und Pragmatik von Prophetie im Hochmittelalter. Im Anhang werden, neben einem umfangreichen Handschriftenkatalog, wichtige Redaktionstufen der Sibilla Erithea erstmals beziehungsweise neu ediert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2006

Gern lässt sich Michael Borgolte über die Weissagungen der Sibilla Erithea Babilonica und deren historische und motivische Verortung belehren. Christian Jostmanns Promotionsschrift leistet da einiges, wenn wir Borgolte glauben dürfen. So etwa auch die Langlebigkeit selbst nicht erfüllter Prophezeiungen. Den Text selber findet Borgolte hier aufgrund "aufwendiger Handschriftenstudien" neu ediert und kenntnisreich entschlüsselt. Leicht iriitiert wirkt der den Positivismus schätzende Rezensent nur angesichts des hier gepflegten möglichkeitsorientierten wissenschaftlichen Stils. Denn selbst der gepflegte Ton täuscht ihn nicht darüber hinweg, dass der Autor sich mitunter von seiner imaginären Kraft hat überwältigen lassen.

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