Chris Kraus

Scherbentanz

Roman
Cover: Scherbentanz
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783627000905
Gebunden, 196 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Jesko ist ein junger, schlagfertiger, widerborstiger, doch erfolgloser Modemacher - der Provokateur der Familie. Er trägt nur Röcke und ist das krasse Gegenteil seines älteren Bruders Ansgar, der als Juniorchef in die väterliche Zementfabrik eingestiegen ist. Anläßlich einer Familienfeier wird Jesko in die großbürgerliche Villa des Vaters gelockt. Dort soll er seine verrückte Mutter treffen, die er vor 20 Jahren das letzte Mal sah, als sie im Affekt versuchte, ihren beiden Söhnen, damals noch Kinder, den Garaus zu machen. Jetzt könnte sie seine letzte Rettung sein, denn Jesko hat Knochenmarkkrebs und braucht für die Transplantation einen Spender. Chris Kraus' erster Roman Scherbentanz erzählt eine Familientragödie mit haarscharf gutem Ausgang.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.11.2002

Christoph Schröder glaubte, die "Pop-Literatur-Krankheit" sei mittlerweile ausgeheilt. Doch das Buch des Drehbuchautors Chris Kraus hat ihn eines Besseren belehrt, klagt der Rezensent. In seinem Verriss stampft er den Autor auf Minimalformat zusammen. Schröder beklagt "die Diskrepanz zwischen dem unbedingten Willen des Autors zur literarischen Form und seiner weitreichenden Unfähigkeit dazu". Das Buch beschreibt einen leukämiekranken Modedesigner, der zurück in die väterliche Villa gerufen wird und dort auf seine alkoholkranke Mutter trifft, die ihn und seinen Bruder vor Jahren umbringen wollte. Der Plot ist für den Rezensenten völlig unwichtig. "Wie fühlt man sich, wenn man einen Blick zugeworfen bekommt 'mit einer Scheibe Restzorn drin? Und wie muss ein Gesicht aussehen, in dem sich 'nichts als ausgestorbene Plätze' zeigen?" Aber das fragt sich der Rezensent am Ende gar nicht mehr, weil es zu nichts führe. Denn Kraus sei kein dezenter und nachdenklicher Erzähler, sondern habe ein "großmäuliges" Buch voll "seichter" Figuren geschaffen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.09.2002

Eigentlich, meint Rezensent Alexander Kissler, hätte aus diesem Buchstoff auch etwas ganz Kitschiges, Flaches werden können: Der 33-jährige leukämiekranke Jesko von Solm begibt sich auf die (erfolgreiche!) Suche nach einem Rückenmarkspender und hechelt schier unerreichbaren Idealen hinterher. Aber in Kisslers Augen ist mit dem Roman von Chris Kraus alles andere als ein übliche Klischees bedienendes Werk entstanden. Meist halte Kraus "die Balance zwischen Pathos und Lakonie", goutiert der Rezensent. Der Autor schwanke in angenehmem Rhythmus zwischen einer "expressionistisch knappen" sowie "barock ausschweifenden" Sprache und biete somit eine "mutige Irrfahrt in die menschliche Seele", lobt Kissler. Kein Wunder also, dass auch die Verfilmung, die im Juli mit Jürgen Vogel als Jesko in der Hauptrolle auf dem Münchner Filmfest präsentiert wurde, ebenfalls Beifallsstürme erntete.
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