Chris Kraus

Das kalte Blut

Roman
Cover: Das kalte Blut
Diogenes Verlag, Zürich 2017
ISBN 9783257069730
Gebunden, 1200 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Zwei Brüder aus Riga machen Karriere: erst in Nazideutschland, dann als Spione der jungen Bundesrepublik. Die Jüdin Ev ist mal des einen, mal des anderen Geliebte. In der leidenschaftlichen Ménage à trois tun sich moralische Abgründe auf, die zu abenteuerlichen politischen Verwicklungen führen. Die Geschichte der Solms ist auch die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert: des Untergangs einer alten Welt und die Erstehung eines unheimlichen Phönix aus der Asche.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 18.03.2017

Chris Kraus' auf vier Bände angelegter Roman "Das kalte Blut" ist eine "Zumutung", fällt Rezensent Fabian Wolff sein vernichtendes Urteil. Und das liegt leider nicht primär daran, dass der vor allem als Regisseur bekannte Kraus hier geradewegs in den "brackigen Schlamm" des deutschen Unterbewusstseins eintaucht, fährt der Kritiker fort. Denn die historisch ausschweifend erzählte und mit Elementen der eigenen Familienbiografie angereicherte Geschichte um eine deutschbaltische Familie, deren Mitglieder unter den Nazis Karriere machen, die sie nach dem Krieg nahtlos im BND fortsetzen, steckt voller Klischees, bemängelt der Rezensent. Mehr noch: Wenn Kraus die Verbrechen seiner Protagonisten mit Liebe rechtfertigt, die "müde" Formel beschwört, jeder könne zum Mörder werden und statt auf Verantwortung lieber auf zahlreiche Sexszenen setzt, erscheint Wolff das Thema an den Autor "verschwendet". Dass der Roman trotz der bei Esterhazy (ergänzende Klammern) oder Heidegger (Bindestrich-Konstruktionen) geborgten sprachlichen Kniffe auch formal nicht überzeugt und Kraus seine "Spionage-Schnurre" mit verbissenem Übereifer ziemlich ächzen lässt, macht es für den Kritiker leider nicht besser.