Aus dem Amerikanischen von Alexandra Ernst. Grace ist frisch verheiratet mit Henry Winter, einem jungen Mann aus reichem Hause, als sie sich am Vorabend des ersten Weltkriegs auf der Zarin Alexandra einschifft. Doch nach einer mysteriösen Explosion sinkt der Ozeandampfer, und Henry erkauft seiner Frau einen Platz in einem Rettungsboot. Den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert, treibt das überladene Boot wochenlang auf offener See. In einer Atmosphäre aus Misstrauen und unterdrückter Aggression stellen sich existentielle Fragen. Sollen die Stärkeren sich opfern, damit die Schwächeren überleben können? Oder besser umgekehrt? Wer darf das entscheiden? Und sitzt Grace überhaupt zu Recht in diesem Boot? Grace überlebt die Katastrophe, findet sich aber Wochen später vor einem Gericht in New York wieder. Die Anklage lautet auf Mord.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2013
Martin Halter wird nicht warm mit der Erzählerin dieses vom Rezensenten als durchaus eindringliche Studie über Moral, Macht und Manipulation bezeichneten Romans. Die Ausgangssituation, der Leser sitzt mit der Erzählerin 1914 in einem Rettungsboot, in dem die Insassen auf Gedeih und Verderb miteinander ringen, ist auch nicht gerade angenehm. Halter begegnet Hysterie, den Grenzen der Ethik und ungeschönter sozialdarwinistsicher Brutaliät. Richtig schwer tut sich Halter mit der von der Erzählerin mit rationaler Kälte vorgenommenen Analyse der Gruppendynamik an Bord. So viel Logik ermüdet den Rezensenten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2013
Hymnisch bespricht Rezensentin Shirin Sojitrawalla Charlotte Rogans neuen Jugendroman "In einem Boot". Erzählt wird die vor etwa hundert Jahren spielende Geschichte der 22 Jahre alten Grace Winter, die nach einer Schiffskatastrophe mit 39 anderen Geretteten in einem Bott ums Überleben kämpft - und sich bald vor Gericht verantworten muss. Allein der in aller Drastik, scharfen Dialogen und "kühler Grausamkeit" geschilderte Überlebenskampf zieht Sojitrawalla sofort in seinen Bann: Sie liest von Hunger, Kälte, Durst und Notdurft ebenso wie von archaischen Eigenschaften wie Neid, Arroganz, Hass und Wahnsinn. Insbesondere lobt die Rezensentin das Vermögen der Autorin, Klassenunterschiede und Geschlechterklischees in der kleinen Gesellschaft des Bootes nachzuzeichnen. Neben der exzellenten Übersetzung Alexandra Ernsts bewundert Sojitrawalla nicht zuletzt die "philosophische Sanftmut", mit welcher der Roman auf das ebenso schlichte wie inhumane und überhebliche Gemüt der Erzählerin schaue.
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