Charlotte Roche

Schoßgebete

Roman
Cover: Schoßgebete
Piper Verlag, München 2011
ISBN 9783492054201
Kartoniert, 288 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

Es ist ein Roman über Ehe und Familie, über Sexualität und die Rolle der Frau, und darüber, wie eine große Katastrophe das Leben für immer verändern kann.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.08.2011

Ehe und Exzess liegen in Charlotte Roches "Schoßgebete" nah beieinander, erfahren wir von Rezensent Ijoma Mangold. Die Heldin des Romans, die 33-jährige Elisabeth hat nur den Wunsch, mit ihrem Mann glücklich bleiben, ein sexuelles Eskapismuskonzept soll die Beständigkeit ihrer Beziehung sichern. Ein "konservativer Sex-Roman" ist Roche mit diesem Buch gelungen, stellt Rezensent Mangold daher fest, der in seinen Ohren wie ein "furios übersteuerter Hilfeschrei nach Verwurzelung" klingt. Denn der Grund für Elisabeths neurotischen Wunsch nach Ehe und Sicherheit liegt in ihrer schlimmen Kindheit. Das Muster Trauma und Triebabfuhr ist dem Rezensenten als Erzählmodell zu schematisch, und die küchenpsychologische Weisheit, unsere Kindheit ist Schuld an unseren Komplexen, scheint Mangold zu wacklig, um daraus einen Roman zu konstruieren. Für "Literatur" reicht Charlottes Roches verbale Direktheit nach Mangolds Meinung nicht, entkrampfend wirkt ihre beziehungsfixierte Redekur in jedem Fall.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.08.2011

Eher nach Sport als nach Sex hören sich für Sabine Vogel Charlotte Roches "Schoßgebete"an, deren erwartungsgemäß detailreichen Sexschilderungen sie allerdings nicht vom Hocker rissen. Laut Vogels Schilderungen kann man sie zwischen neuer sexueller Sachlichkeit und Ratgeberliteratur verorten. So therapeutisch wie neurotisch ist nach Vogel aber nicht nur das Verhältnis zwischen Sex und Text; zwischen Bekenntnis und Beratung schwankt auch die Haltung des schreibenden Selbst. Anstelle von Handlung gibt es deshalb Lebenssituation - diesmal im kratzigen Nervenkostüm der Hauptfigur Elisabeth, die an ihrer Rolle als erfolgreiche Supermutter natürlich glanzvoll zu Grunde gehen muss. Für Sabine Vogel sind die "Schoßgebete" alles in allem eher Beschwörungsformeln, überspannt wie immer, aber ein wenig humorlos.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.08.2011

Oha, unerheblich, verlogen und trivial nennt Thomas Steinfeld den neuen todsicheren Bestseller von Charlotte Roche, zwar erst im letzten Satz, doch das bleibt umso besser in Erinnerung. Dabei nimmt sich Steinfeld richtig Zeit, um sich über Sex und Aufklärung im Zeitalter feuchter Seichtgebiete, über den Forscher- und den Mitteilungsdrang der Autorin, ihre Nähe zu der Erzählerin und über die Relevanz von Berichten über Blähungen etcetera für seinen (des Rezensenten) persönlichen Erkenntnisfortschritt nachzugrübeln. Hilft alles nichts. Was für Steinfeld übrigbleibt, ist der Celebrity-Faktor als einzig maßgebliches (Ver-)Kaufsargument. Dabei: Das systematische Unterlaufen von Literatur innerhalb der Literatur, wie Steinfeld es nennt, scheint dem Rezensenten weder Ruhm noch Ehre wert.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.08.2011

Dirk Knipphals wartet geduldig auf die Verpuppung von Charlotte Roche zur Autorin von Format. Bis dahin scheint ihm Roches zweiter Roman ein guter Zeitvertreib zu sein. Zwar hat er den Dreh der Autorin, Schlimmstes immer geradeheraus zu sabbeln, längst durchschaut, das vorliegende als Mix aus Gossenslang und "Therapiesprech" entworfene Psychodrama beschäftigt ihn dennoch über die Lektüre hinaus. Allerdings, und da enttäuscht ihn die "großartige Autorin" in spe dann doch etwas: Das in der Mitte des Romans verhandelte Trauma der Heldin, das Zentrum des Ganzen immerhin, ist einfach eine Spur zu ernst für die alte lustige Rausschrei-Strategie. Meint Knipphals.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.08.2011

Felicitas von Lovenberg wirft eine eine erstaunliche Frage in ihrer Besprechung von Charlotte Roches neuem Roman auf. Kann große Literatur auch ohne großen Stil auskommen? Ihrer Meinung nach: Ja. Denn dieser Roman habe sie nachhaltig beschäftigt, was Lovenberg von "manch einem literarischen Meisterwerk nicht sagen" kann, wie sie gesteht. Roches Buch dagegen habe sie trotz seiner einfachen Vortragsweise berührt, zum Lachen gebracht und zum Nachdenken angeregt, über Ängste und Neurosen. Wenn Roche als "weiblicher Woody Allen" daherkommt und ihre Heldin, eine von Selbstzweifeln zerfressene Supermutter, -frau und -geliebte, vor dem Leser als Therapeuten auspacken lässt, staunt Lovenberg über die Tiefe der eröffneten Perspektive (anders als beim Vorgänger-Roman diesmal nach Innen), über Roches kluge Dramaturgie und die in der Figur steckenden Identifikationsmöglichkeiten. Bei aller Freude über ein zielstrebiges Buch, vergisst Lovenberg allerdings auch nicht, dass das Thema eigentlich ein bedrückendes ist.
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