Charles Simmons

Geständnisse eines ungeübten Sünders

Roman
Cover: Geständnisse eines ungeübten Sünders
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406529290
Gebunden, 255 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Klaus Modick. In einer Reihe von Briefen an einen nicht genannten College-Freund berichtet der Ich-Erzähler in Charles Simmons' erstem Roman, der vor vierzig Jahren das erste Mal erschien, aus seinem turbulenten Leben. Aufgestört durch den Tod seines Vaters und das Drängen seiner Mutter, einen aussichtsreichen Beruf zu ergreifen, nimmt der jugendlich-schnoddrige Erzähler in Simmons' Roman seine Briefe zum Anlass, die Lebens- und Sinnangebote seiner amerikanischen Umwelt lustvoll, rasant und ironisch auseinanderzunehmen. Weil er in Wirklichkeit Schriftsteller werden will, nimmt er lausige Jobs in Kauf, die ihm dafür jede Menge Einsichten und Erlebnisse bescheren, und geht im übrigen seinen offenherzig beschriebenen erotischen Eskapaden nach, bei denen er sich vor allem auf zwei Frauen, Mary und Prudence, konzentriert. Gleichzeitig liefern die Briefe immer wieder Episoden aus dem Roman, an dem Simmons' Protagonist schreibt, und Überlegungen über dessen Hauptfigur Austin.
Der Roman, für den Simmons seinerzeit den Faulkner Award erhielt, schockierte einst nicht wenige mit seiner unverblümten Beschreibung von Sex und der Abrechnung des Protagonisten mit der konventionellen Religion. Heute liest man den Roman nicht nur als ein Porträt der 60er Jahre mit Verweisen auf die Popmusik und die gerade einsetzende sexuelle Revolution, sondern auch das Spiel mit der Romanform, lange bevor man das als "postmodern" zu bezeichnen lernte, bereitet großes Lesevergnügen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.05.2005

"Große Literatur", jauchzt Frank Schäfer, der den 1964 erschienenen Romanerstling von Charles Simmons als Zeitdokument liest, ihn aber deshalb noch lange nicht für verstaubt hält. Der ungebrochene Optimismus der Sechziger werde in diesem Briefroman, in dem der Erzähler seine Irrungen und Wirrungen schildert, bis er schließlich im amerikanischen Patriotismus eine Sinnheimat findet, "ganz gut eingefangen", meint Schäfer. Dass die ständige ironische Brechung der eigenen Niederschrift "ziemlich artifiziell" anmutet, stört ihn nicht besonders. Begeisterung löst allerdings die stilististische Brillanz und die "mimetische Sicherheit" Boyds aus, der gekonnt die Sprache und den Gestus eines 21-jährigen Erzählers imitiere. Aus einem "überschäumenden emotionalen Gebräu" werde so ein "flüssiges, allemal witziges Prosa-Parlando", jubelt Schäfer, der in dem Buch am Ende der Besprechung doch noch zeitlose Qualitäten zu entdecken glaubt. Die Übersetzung wird auch gelobt, bis auf den Titel, bei dem Schäfer die textreue Übertragung von "Powdered Eggs" bevorzugt hätte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2005

Charles Simmons' erster Roman "Powdered Eggs", der ihm prompt den Faulkner Award eintrug, erschien erstmals 1964. Doch mit gemischten Gefühlen bewertet Rezensent Michael Schmitt nun sowohl die als "Geständnisse eines ungeübten Sünders" betitelte Neuübersetzung von Klaus Modick als auch den Roman selbst: Als Zeitdokument stehe er im Schatten des nur fünf Jahre später erschienenen Buches "Portnoys Beschwerden" von Philip Roth, und die Überlagerungen verschiedener Textebenen seien ein nur teilweise gelücktes literarisches Experiment. Am stärksten findet Schmitt die Passagen, in denen der jugendliche Ich-Erzähler seine Konfrontationen mit seiner selbstsicheren und faszinierenden Arbeitskollegin Prudence schildert. Hier trete zutage, "wie viel Ernsthaftigkeit in diesem schnoddrigen jungen Mann steckt, der zwar einerseits noch sehr naiv ist, der andererseits aber auch sehr erwachsen sein muss". Vorsichtige Zweifel äußert der Rezensent in Bezug auf den Ton von Modicks Übersetzung. Als "Zu derb, zu gewollt, vielleicht auch zu lax" empfindet er mitunter das Ergebnis von Modicks Bemühungen um eine gegenwartsnahe Sprache, welche die "Provokationen von vor vierzig Jahren" möglicherweise zu sehr ausstellt.