Die USA sind die einzige westliche Demokratie, die bis heute an der Todesstrafe festhält. Von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart zeigt dieses Buch, dass die verordnete Tötung von Menschen nicht nur ein Instrument des Strafrechts ist, sondern zugleich ein Ausdruck der amerikanischen Gesellschaftsordnung und ihrer Weltbilder. So ist es beispielsweise alles andere als ein Zufall, dass weit überproportional afroamerikanische Männer aus sozial benachteiligten Milieus zum Tode verurteilt werden. Auch die Praxis der Todesstrafe - etwa die Abschaffung der öffentlichen Hinrichtung oder die Einführung des elektrischen Stuhls - spiegelt ebenso wie ihre Darstellung in den Medien und der Literatur allgemeine Entwicklungen in den USA.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.06.2002
Andreas Eckert nimmt die Studie, die die Geschichte der Todesstrafe in den USA vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart aufarbeitet, gegen einen möglichen Vorwurf des "Anti-Amerikanismus" in Schutz und unterstreicht, dass das Buch eine wichtige "Lücke" schließt. Er lobt den Autor nachdrücklich für seine "nüchterne" und dabei "gut lesbare" Arbeit und sieht überzeugend dargelegt, dass vor allem afroamerikanische Bürger von der Todesstrafe betroffen sind und damit Rassismus in der amerikanischen Rechtsprechung nachgewiesen werden kann. Nicht selten würden nämlich fehlerhafte Verfahren vor allem gegen schwarze Häftlinge zur Todesstrafe führen, wie der auch in Deutschland bekannte Fall des Abu-Jamal zeigt, so der Rezensent betroffen. Eckert betont, dass das Buch einen "wichtigen Beitrag zur Historisierung eines der brisantesten Themen" von heute leistet, das er durch den Autor gründlich und überzeugend dargelegt sieht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die amerikanische Öffentlichkeit immer skeptischer gegenüber der Todesstrafe, während der siebziger Jahre war sie faktisch abgeschafft. Danach wendete sich bekanntlich das Blatt, Jürgen Martschukat nennt als Gründe das Erstarken des politischen, vor allem aber auch des christlichen Konservatismus. Das Buch bietet traurige Fakten: vierzig Prozent der Hingerichteten sind Schwarze, bei einem Bevölkerungsanteil von zwölf Prozent. Die Todesstrafe, so Martschukat, ist ein Instrument der "Rassenunterdrückung". Richard Evans findet das Buch "informativ", bedauert jedoch, dass der Autor wenig konkrete und plausible Gründe für den an der Todesstrafe sichtbar werdenden Unterschied zwischen Europa und den USA zu nennen weiß. Das hängt, so Evans, einerseits mit seinem Foucaultschen, zu pauschal machtkritischen Ansatz zusammen; aufschlussreich wären, meint der Rezensent, Informationen zur Struktur der Kriminalität, zum Strafvollzug, vor allem aber zu den (christlichen) kulturellen Werten gewesen. Andererseits sei das Buch offenkundig mehr aus antiamerikanischem Ressentiment und "moralischer Entrüstung" gespeist als aus dem "Wunsch zu verstehen".
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