Charles Plymell

Liebesgesänge

Psalme in den Zeiten der Apostasie
Cover: Liebesgesänge
Peter Engstler Verlag, Ostheim/Rhön 2000
ISBN 9783929375244
Broschiert, 40 Seiten, 5,11 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Walter Hartmann. "Den Streb zu Bruch kommen lassen" ist eine Redensart von Bergleuten. Wird eine Kohlengrube geschlossen, dann schlagen sie, wenn sie zum letzten Mal den Stollen verlassen, hinter sich die stützenden Streben um. Das ist eine brauchbare Metapher. Nicht nur, weil das uralte Bild des ausderHöhleansLichtKriechens drinsteckt, sondern weil es ein passendes Motto zu sein scheint für die ausgehende letzte Dekade des Jahrhunderts und des Jahrtausends, die ich als Ära der Apostasie bezeichne. Sie trägt den Keim von etwas in sich, das sich noch unserem Blick verbirgt. (Textauszug)

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.03.2001

Plymell war der jüngere Freund und Wegbegleiter von Neal Cassady und Allen Ginsberg, mit seinem neuen Gedichtband versucht er, wie er selbst schreibt, den "Brückenschlag" zwischen der Beat-Generation und der Generation X. Der Rezensent mit dem Kürzel "ve." findet diesen Versuch durchaus gelungen. Mit der vertrauten "Mischung von Pathos, Pragmatismus und Humor" zeichne Plymell ein Bild der Generation X, das deren Ästhetik wie ihre Befindlichkeit einfange. Bei allem Hang zur "Zivilisationskritik" sieht Plymell, wie man erfährt, das Zeitalter der "Apostasie" (der Ablösung von religiösen, politischen etc. Glaubenssystemen) nicht als Zeit des Untergangs, sondern des Umbruchs. Die "Gefährlichkeit" dieser Umbruchszeit glaubt der Rezensent diesen Gedichten aber ablesen zu können.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.01.2001

Nach Florian Vetsch ist Charles Plymell ein Spätgeborener der Beat Generation, Wegbereiter und -genosse von Ginsburg und Cassady, ohne je deren Bekanntheitsgrad erreicht zu haben. Vetsch rezensiert eine kleine aber feine Gedichtauswahl aus den 90er Jahren, die er als Liebeserklärung an die Nachgeborenen versteht, ein "Brückenschlag" zwischen den Generationen. In Plymells Gedichten sieht der Rezensent die für den Autor "typische Mischung aus Pathos, Pragmatismus und Humor" am Werk, gepaart mit einem Mystizismus, der seine Zivilisationskritik ummäntelt. Plymell erweist sich für Vetsch nicht etwa als misstrauisch gegenüber den nachfolgenden Generationen, sondern er begrüße diese vielmehr als Hoffnungsträger einer neuen Zeit, die er aus dem historischen Umbruch im "Zeitalter der Apostasie" hervorgehen sehe.
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