Chandrahas Choudhury

Der kleine König von Bombay

Roman
Cover: Der kleine König von Bombay
dtv, München 2012
ISBN 9783423249171
Kartoniert, 254 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Kathrin Razum. Arzee, von kleinem Wuchs, hat große Träume. Er träumt davon, an die erste Stelle zu rücken, wenn der alte Filmvorführer Phiroz in Ruhestand geht. Er träumt von Liebe, einer Frau, die nachts neben ihm liegt. Oft aber hat er auch Angst. So fühlt er sich an einem Tag wie ein Bettler und am nächsten wie ein König. Unter dem Dach des "Noor", eines der letzten legendären Filmtheater, ist er groß. Spät nachts, wenn er allein durch die leeren Straßen Bombays nach Hause geht, ganz klein. Doch Noor heißt Licht, und dieser Lichtstrahl, der die Illusion in die Dunkelheit des Kinos trägt, weist Arzee einen Weg, hinaus, ins Freie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.09.2012

Dass dieses Buch allzu glatt, ja eindimensional ist und nicht ins Leben hineinreicht, veranlasst Claudia Kramatschek dazu, es mit einem Bollywood-Film zu vergleichen. Melodramatisch, romantisch, pathetisch genug ist das im Original 2009 erschienene Debüt von Chandrahas Choudhury, einem verdienten indischen Literaturkritiker, jedenfalls, wie Kramatschek durchblicken lässt. Seltsam, meint sie, eigentlich ist alles da, was eine Tragikomödie aus Bombay so braucht, detailreich der Blick des Autors auf seine Stadt, hupende Rikschas inklusive, lebendig die Figuren, fix das Tempo. Allein es fehlen die Reibungspunkte in dieser verwickelten Geschichte um einen kleinwüchsigen Unglücksraben in der Megacity. Der Rezensentin ist alles zu glatt, Lokalkolorit und Atmosphäre entstehen nicht, jedenfalls nicht plastisch genug.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 31.07.2012

Katharina Granzin staunt über die Selbstverständlichkeit, mit der der junge indische Autor seine Stadt Bombay sehr unprätentiös in diesem Roman abbildet, die Stadt, so wie man eben in ihr lebt. Dazu wenige Charaktere, die jedoch, wie Granzin feststellt, einen guten Querschnitt der indischen Gesellschaft abgeben. Worum es dem Autor zu tun ist, hat Granzin schnell heraus: Obgleich Chandrahas Choudhury einen Zwerg als Hauptfigur einsetzt, geht es ihm nicht um das Niedliche (wie der Titel vielleicht vermuten lässt), oder um eine Ausstellung eines Mangels, sondern darum, die Kleinheit des Protagonisten ernst zu nehmen, indem er ihn mit den ganz gewöhnlichen Problemen mit Beruf, Liebe und Alltag konfrontiert. So erhält die Figur für Granzin hohes Identifikationspotenzial. Das ist der Dreh, den der Autor auch auf die Stadt anwendet. Für Granzin ein charmantes Debüt.
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