Cesar Aira

Der Hase

Roman
Cover: Der Hase
Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN 9783751810388
Gebunden, 238 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Christian Hansen. Auf der Suche nach dem legibrerianischen Hasen, der scheinbar fliegen kann, reist der englische Naturforscher Clarke in den Süden Argentiniens. In Begleitung des jungen Aquarellmalers Carlos Alzaga Prior und des Gauchoführers Guana begegnet "der Engländer" einer Gruppe indigener Mapuche, die ihm schließlich bei seiner Mission helfen und ihn in ihre Lebensweise sowie Sprache einführen. Als Gegenleistung soll Clarke ihnen bei der Suche nach dem vermissten Stammesanführer helfen. Doch ist dieser wirklich entführt worden? Existiert ein hasenförmiger Diamant der Witwe Rondeau tatsächlich? Auch eine Reihe ungewöhnlicher Phänomene macht dem Naturforscher zu schaffen: menschengroße Enten, improvisierte Kehlenschlitzer, ein Betrunkener, der ihm über den Kopf fliegt, eine durch unterirdische Tunnel reitende Kriegerkolonne und sein Doppelgänger, der ihm um Mitternacht begegnet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2026

Rezensent Jan Wilm gibt zu, dass Cesar Airas früher Roman von 1991 nicht zu seinen besten gehört. Aber Wilm schwärmt auch vom halsbrecherischen Witz, den philosophischen Einlagen und der hakenschlagenden Konstruktion des Textes um einen englischen Naturforscher und seinen Sidekick auf der Suche nach dem sagenumwobenen legibrerianischen Hasen in der argentinischen Pampa. Die Erlebnisse der beiden und ihre Konstellation erinnern ihn an Don Quijote und Sancho Pansa. Dass sich das Ganze liest wie Borges auf Drogen, liegt für Wilm auch an der gelungenen Übersetzung von Christian Hansen. Das Buch hat Längen, meint Wilm, doch das spiegelt schließlich bloß die endlose Weite der Pampa.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.01.2026

Rezensentin Judith von Sternburg hat viel gelacht mit diesem Roman von Cesar Aira aus dem Jahr 1949. Erstmals ins Deutsche gebracht von Christian Hansen, laut Sternburg sogar "glanzvoll", bietet der Text um einen Kolonialisten auf der Suche nach einem seltenen Hasen in der argentinischen Pampa jede Menge humorvolle Zwischentöne, aber auch das Wälzen großer Fragen, erklärt die Rezensentin. Die Balance aus Unsinn und Raffinement, hohem Ton und Flapsigkeit findet Sternburg bemerkenswert.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 03.01.2026

Auf die deutsche Übersetzung dieses klassisch postmodernen Romans von César Aira musste Kritiker Richard Kämmerlings über dreißig Jahre warten, aber es hat sich gelohnt: Ein englischer Forscher macht sich im 19. Jahrhundert auf eine Expedition nach Argentinien und sucht, zumindest vorgeblich, den titelgebenden Hasen. Er begegnet dabei den Mapuche, über die er nur in Stereotypen von Hautfarbe, angeblicher Faulheit und der Beurteilung ihres Alkoholkonsums nachdenken kann - Kämmerlings liest in Airas Schilderungen eine kluge Parodie kolonialistischer Literatur, die alle vermeintlichen Sicherheiten geschickt verwirrt. Dass die Mapuche der Expedition dann auch noch als versierte Theoretiker entgegentreten, die Lacan und Lévi-Strauss gelesen haben, macht das fantastische, von Irrungen und Wirrungen durchzogene Spiel für Kämmerlings perfekt. Ein wilder Ritt, nur der Hase wird auch am Ende nicht gefangen, verrät er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.12.2025

Rezensentin Johanna-Charlotte Horst preist den neuen Roman von Cesar Aira für das Aufheben von Raum und Zeit, ja der realen Welt. Seine eigene Poetik, derzufolge es in Romanen nicht um die schnöde Wirklichkeit gehen sollte, sondern darum, die Dinge zum Fliegen zu bringen, löst der Autor laut Horst in dieser Geschichte vollkommen ein. Vordergründig erzählt sie von einem Schwager Darwins, der im 19. Jahrhundert auf Forschungsreise in Südamerika unterwegs ist und in allerhand Stammesauseinandersetzungen gerät, aber das ist gar nicht so wichtig, meint Horst. Das Eigentliche der Story steckt für sie in ihren Märchenelementen, der Aufhebung von Zeit und Raum (tatsächlich kommen fliegende Hasen vor!), der bei Cervantes abgeschauten Kommentierung und des Verständnisses von Literatur als "imaginäre Maschine". Ein Angebot an die Leser zur Flucht aus der bekannten Welt, findet Horst. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 02.10.2025

Ein tolles Frühwerk des argentinischen Meisterschriftstellers César Aira ist das, freut sich Rezensent Maximilian Mengeringhaus. Alles dreht sich in diesem die Konventionen des Genres gleichzeitig bedienenden und unterlaufenden Abenteuerroman um die Suche nach einem mysteriösen Hasen, von dem der, der ihn sucht, ein Forscher namens Tom Clarke, nicht einmal weiß, ob er ein Fabeltier oder ein Muttermal ist. Wild und fintenreich geht es zu in der im 19. Jahrhundert situierten Handlung, die geschickt mit Stereotypen spielt und in die Themen wie das nationale Selbstverständnis Argentiniens und der Kolonialismus eingeflochten werden. Länger als die neueren Romane des Autors ist das von Christian Hansen sehr gut übersetzte Buch, was Mengeringhaus durchaus zusagt. Man muss eine gewisse Toleranz für Verstörendes aufbringen, wenn man dieses Buch aufschlägt, meint der Rezensent, aber wenn man dies tut, kann man viel Freude haben an dieser außergewöhnlichen literarischen Welt.

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