Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2026
ISBN
9783421048790 Gebunden, 432 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Cornelius Hartz. Mit zahlreichen farbigen Abbildungen. Im Gegensatz zu den heutigen Lehren der Kirche herrschte in den ersten Jahrhunderten des Christentums kein Konsens darüber, wer Jesus war. Stattdessen existierten zahlreiche unterschiedliche Vorstellungen von ihm. Jesus hatte viele Brüder: Einer reiste nach Indien, ein anderer verkehrte mit Drachen, wieder ein anderer war ein Zwilling von Jesus. Ein besonders furchterregender Jesus verachtete seine Eltern und tötete alle, die sich ihm widersetzten. Darüber hinaus gab es viele weitere Erlöser, zahlreiche Söhne von Göttern, die Lahme kurierten und Kranke heilten. Doch mit der Ausbreitung des Christentums wurden sie als inakzeptabel, ja sogar als ketzerisch eingestuft und verschwanden allmählich aus dem Blickfeld.
Mit Gewinn liest Rezensentin Edith Kresta Catherine Nixeys Buch über das frühe Christentum. Denn auf die Frage, wie Geschichten von Jungferngeburten, Brotvermehrung und Totenerweckung eine Weltreligion begründen konnten, scheint sie hier eine Antwort zu finden - wenn auch eine indirekte: So zeige die britische Historikerin, selbst einst gläubige Christin und mittlerweile vom Glauben abgefallen, darin auf, welch andere zahlreiche Versionen des Christusglaubens es gerade in der Anfangszeit auch noch gab - geprägt von der Vermischung mit anderen Kulturen oder den griechisch-römischen Ursprüngen. Dass sich die Hauptversion, die wir heute kennen, durchsetzte, verdanke sich den harten Unterdrückungsmaßnahmen der "frühen Kirchenväter" und ihres "patriarchalen Machtapparats", entnimmt Kresta Nixeys Darstellung; unter der Schutzbehauptung der "Häresie" wurden Andersgläubige verfolgt und verbannt, liest sie. Für die Kritikerin leistet Nixey mit ihrem Buch eine wichtige Klärung der Tatsachen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.04.2026
Rezensent Jens Balzer findet Catherine Nixeys Buch nicht nur spannend, sondern in weiten Teilen ziemlich amüsant. Nixey versammelt apokryphe Texte, die zum Teil mit ziemlich skurrilen Geschichten aufwarten, so erfährt Balzer zum Beispiel aus dem "Kindheitsevangelium des Thomas", einem Evangelium aus dem 2. Jahrhundert, das Jesus als Kind alles andere als sanftmütig war und mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten andere Jungen zum Schweigen brachte. Nixey will zeigen, dass es in den ersten Jahrhunderten nach dem Tod Christi extrem viele unterschiedliche Geschichten über sein Leben gab. Neue Quellen führt die Autorin nicht an, es ist mehr die Art der Assemblage, mit der sie ein Bild von "den konkurrierenden Versionen des Frühchristentums" zeichnet, die den Kritiker beeindruckt. Aus all diesen unterschiedlichen Ansichten, entstanden zahlreiche "frühchristliche Sekten", die allerdings unter Kaiser Theodosius dann brutal verfolgt wurden, wenn sie nicht der offiziellen Version der Kirche entsprachen. Balzer wird zwar auch klar, dass es Nixey um die Schauwerte des von ihr Erzählten geht, dafür ist das alles sehr unterhaltsam und gekonnt erzählt. Und die Erkenntnis, dass ein "anarchisches Gewimmel" frühchristlicher Ideen nach und nach zu einem patriarchalen System vereinheitlicht wurde, hat auch nichts von ihrer Aktualität verloren, schließt der Kritiker.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…