Herausgegeben vom SFB/Forschungskolleg der DFG. Mit 12 Abbildungen. Von der "Allmacht der Naturwissenschaft" war im Deutschland des 19. Jahrhunderts vielerorts die Rede - auch und gerade in den Naturhistorischen Museen, die sich nicht nur als Inbegriff der modernen Welt, sondern geradezu als Manifestation der Bildungsidee verstanden. Schon in der Humboldtzeit hatten sie als Ort gegolten, an dem der einzelne Besucher sich selbst bilden und durch diese Selbstbildung auch die Entstehung einer neuen, bürgerlichen Gesellschaft befördern könne. Seit der Jahrhundertmitte geriet dieses Modell in die Krise: Die beschleunigte Spezialisierung innerhalb der Naturwissenschaft drängte auf eine Professionalisierung der Museumsarbeit. Zugleich sahen sich die Museen nun einem Massenpublikum gegenüber, das nicht mehr ohne weiteres dem Ideal der Selbstbildung zu folgen vermochte. Die Öffentlichkeit wandelte sich - und das Museum mit ihr. Die Studie fragt nach den Etappen dieses Wandlungsprozesses, in dem sich die Popularisierung als neue und erfolgreiche Form der Wissenskommunikation etablierte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2006
Julia Voss staunt nicht schlecht bei der Lektüre dieses Bandes über die Geschichte deutscher Naturkundemuseen. Wieso haben Mäzene eigentlich das Interesse an Naturkunde verloren? fragt sie und wittert hier ein weites Feld für weitere Untersuchungen. Wie der Autor Carsten Kretschmann das Interesse des Bürgertums an den Naturwissenschaften und deren Aufstieg in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachzeichnet, findet sie "überzeugend". Obwohl Kretschmann sich mit den Museen in Frankfurt, Bremen, Karlsruhe und Berlin befasst und die zahlreichen und vielseitigen Initiativen der dortigen Bürger dokumentiert, entdeckt Voss den roten Faden des Buches in einer Museumsreform, die der Autor als ausschlaggebend für die Wandlung des Naturkundemuseums zur Volksbildungsstätte angibt.
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