Carola Sachse

Der Hausarbeitstag

Gerechtigkeit und Gleichberechtigung in Ost und West 1939-1994
Cover: Der Hausarbeitstag
Wallstein Verlag, Göttingen 2002
ISBN 9783892445081
Kartoniert, 502 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Bereits 1939 hatten die Nationalsozialisten den unbezahlten "Waschtag" mit Blick auf die dienstverpflichteten nicht-jüdischen deutschen Frauen in der Kriegswirtschaft eingeführt. Ab 1947/48 wurde er auf Initiative der KPD in mehreren west- und ostdeutschen Ländern als bezahlter "Hausarbeitstag" und ohne rassistische Einschränkungen gesetzlich fortgeschrieben. Aber nach Währungsreform und doppelter Staatsgründung hätten die westlichen Unternehmen ebenso wie die "Volkseigenen Betriebe" die "Hausarbeitstage" gern abgeschafft. Arbeiterinnen, Angestellte und Beamtinnen wehrten sich in der DDR wie im Westen erfolgreich gegen die Streichung des "Hausarbeitstages". Divergierende Vorstellungen von einer gerechten Rollenverteilung standen zur Debatte. In der deutsch-deutschen Geschichte des "Hausarbeitstages" wurden darüber hinaus Frauen-, Männer- und Familienbilder entworfen, die trotz mancher Ähnlichkeiten von den politischen Kontrahenten gegeneinander gerichtet wurden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.11.2002

In ihrer 500-seitigen, durch Freude am Detail bestechenden Studie hat die Soziologin Carola Sachse den "Haushaltstag" untersucht, berichtet Rezensentin Susanne Mayer. Der "Haushaltstag", ein Relikt aus den dunklen Zeiten des Nationalsozialismus, der in Ost- und Westdeutschland weitergepflegt wurde, war der Tag in der Woche, in der sich die Hausfrau um ihre Haushaltsführung kümmern konnte, was damals offensichtlich nicht nebenbei geschehen konnte, erläutert Mayer. Sachse protokolliere die Anträge, Gerichtsverfahren, Einsprüche auf jenem Kampffeld, auf dem verhandelt wurde: "Wer kriegt den Tag? Ist er bezahlt?" Entstanden ist die Geschichte eines Scheiterns, hält Mayer fest. Die Soziologin berichte von den Versäumnissen bei der Definition des Begriffs der Hausarbeit jenseits der Geschlechterfrage. Diese begriffliche Ungeklärtheit führte dazu, dass Erziehung und Hausarbeit bis heute nicht als gesellschaftlich relevante Tätigkeit anerkannt werden, fasst Mayer eines der Ergebnisse Sachses zusammen. Kein Wunder also, dass der "Haushaltstag" in Ost und West mit Einführung der Fünftagewoche endgültig abgeschafft wurde. Familienarbeit erscheint daher bis heute als nichts anderes, denn als aufwändiges Hobby.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2002

Ulrike Baureithel ist überrascht, dass eine schon seit langem "feministisch" aktive Historikerin wie Carola Sachse erst jetzt eine Untersuchung über eine Einrichtung vorlegt, die in der NS-Zeit eingeführt wurde und in der Nachkriegszeit sowohl in der DDR als auch in der BRD mehr als nur ein "Frauenpolitikum" war. Gemeint ist der "Hausarbeitstag", der bis Ende 1991 Frauen zugestanden wurde, um sich, vom Arbeitgeber bezahlt, den häuslichen Arbeiten quasi "entgeltlich" widmen zu können, informiert die Rezensentin. Die Kontroversen, die über diesen Tag über Jahrzehnte geführt wurden, hat Sachse "materialreich", "umfassend" und "ambitioniert" aufgearbeitet, lobt Baureithel, kritisiert aber auch manche Redundanzen und hätte gerne noch weiter als bis in die Nazi-Zeit zurückgeblickt. Trotzdem aber sei die Studie "facettenreich" und gerade spannend an den Punkten, an denen die Autorin die widersprüchlichen Bewertungen von Hausarbeit thematisiere.