Yesteryear
Roman

Heyne Verlag, München 2026
ISBN
9783453275355
Gebunden, 464 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn. Natalie Heller Mills hat alles: eine malerisch renovierte Farm, fünf Kinder, die um ihre Liebe buhlen, und einen Mann, der in Cowboystiefeln immerhin eine gute Figur abgibt. Vom Sauerteig bis zur Kindererziehung, nichts scheint ihr zu misslingen. Kein Wunder also, dass Millionen von Menschen ihr folgen, ihre Videos schauen, ihre Bilder anklicken. Sie gibt ihnen das, was sie wollen: eine heile Welt. Skandale werden unter den Teppich gekehrt, da, wo sie hingehören. Doch eines Tages wacht Natalie auf und sieht sich mit einer unbequemen Frage konfrontiert: Was wäre, wenn sie keine Nannys beschäftigen könnte, es keine helfenden Hände auf der Farm gäbe, kein Produktionsteam? Was wäre, wenn sie auf einmal das Leben führen müsste, das sie immer vorgetäuscht hat?
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
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Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2026
Ganz oben auf den Bestsellerlisten, die Kinorechte sind seit langem verkauft und die Süddeutsche feiert Caro Claire Burkes Debütroman als schockierend realistisch, erfahren wir von Rezensentin Birgid Schmid. Die scheint allerdings nicht ganz so überzeugt: Zunächst lesen wir vom perfekt ausgeleuchteten Leben von Heldin Natalie mit Ranch, Kühen und sechs Kindern in Idaho, offenbar im 19. Jahrhundert. Was nicht ins Bild passt: die Mikrowelle, die zwei Nannys oder ihre Wut, die sich gegen alles Mögliche richtet, zum Beispiel gegen ihren "Vollpfosten von Ehemann", was durchaus unterhaltsam zu lesen ist, findet die Rezensentin. Burke zeichnet hier das satirische Bild - ja, "die Karikatur" einer Tradwive. Ihre Haltung zu diesem Lebensstil steht dabei von Beginn an fest, erklärt Schmid: Für reaktionär und gefährlich hält die Autorin diese Darbietung einer vermeintlich heilen patriarchalen Welt. So wirkt es auf die Leserin fast wie eine gerechte Strafe, wenn Natalie eines Tages im 19. Jahrhundert aufwacht und dort am eigenen Leib erfahren muss, was eine Rückkehr zu den alten "Werten" tatsächlich für Frauen bedeuten würde. Schmid scheint das alles allerdings ein bisschen gelassener zu sehen als die Autorin. Zumal auch Burke selbst mit ihrem Plot im Endeffekt zeigt, dass sich die Zeit und der Feminismus nicht einfach rückabwickeln lassen, so die dann doch gut unterhaltene Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.06.2026
Caro Claire Burkes Protagonistin Natalie ist eine Tradwive, die das Leben mit ihren vielen Kindern und ihrem Mann in Cowboystiefeln auf einer Farm äußerst publikumswirksam im Internet inszeniert, verrät Rezensentin Clara Hoheisel. Natalie ist konservativ und mit ihrer unfreundlichen Art eigentlich keine besonders überzeugende Christin, lesen wir, aber das Bild, das sie online von sich zeigt, ist makellos, die vielen Angestellten, die diese Inszenierung aufrechterhalten, bekommt keiner zu sehen. Doch eines Morgens wacht sie tatsächlich zweihundert Jahre früher auf und alles, was sie inszeniert hat, ist Realität geworden, nun muss sie tatsächlich ganz traditionell klarkommen, schildert Hoheisel. Sie findet den Roman auch mit wenigen kleinen Schwächen, etwa bei der zu oberflächlichen Behandlung von Themen wie Religion und Rassismus, überzeugend und unterhaltsam, auch weil er das Tradwive-Phänomen und seine politischen Implikationen ernstnimmt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.06.2026
Natalie, die Protagonistin von Caro Claire Burkes Roman, ist eine klassische "Tradwife", findet Rezensentin Anna Maria Mayr: Sie lebt auf einer Farm, erledigt den Haushalt, damit der Mann arbeiten kann, filmt sich bei der Erfüllung ihrer repetitiven Aufgaben. Die Ehe bröckelt, sie will ihren Mann und auch sich selbst in eine bestimmte Rolle pressen - da wacht sie plötzlich im Jahr 1805 wieder auf, was Mayr zufolge durch die Montage der Erzählstücke spannend und kraftvoll aufbereitet wird. Für die Kritikerin trifft Burke hier einige "Sweet Spots": Unterhaltung wird mit Gesellschaftskritik verbunden, Satire mit dystopischer Realität. Sie fühlt sich an den Instagram-Account von "ballerinafarm" erinnert, die das einfache Leben mit neun Kindern und mormonischem Ehemann mimt, daraus aber längst ein milliardenschweres Unternehmen geschaffen hat. Der Roman zeigt Mayr darüber hinaus, wie Kinder für Content ausgenutzt werden und wie über das vermeintliche Familienidyll übelste rechte Propaganda verbreitet wird.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 06.06.2026
Schon bevor dieser Roman von Caro Claire Burke erschienen ist, waren die Filmrechte verkauft, Rezensentin Marie-Luise Goldmann schaut sich den Hype mal näher an: Es geht um Tradwives, die Protagonistin ist Influencerin, die ich auf ihrer Farm ein rückwärtsgewandtes Leben eingerichtet hat. Doch plötzlich wacht sie im Jahr 1855 auf und muss tatsächlich ohne Elektronik und technische Fortschritte leben - Goldmann liest immer wieder Hinweise auf eine unzuverlässige Erzählperspektive, die beispielsweise auch die vielen Mitarbeiter der Social Media-Inszenierung auslässt. Ihr gefällt die Mischung zwischen Satire und Thriller, der starke Plot und die Bekräftigung dessen, wie wichtig Feminismus ist. Da kann sie auch über schwächere Figuren und eine etwas oberflächliche Sprache hinwegsehen.