Klappentext
Zwischen Workout und Skincare lebt Monique, genannt Mon, in einer Sphäre größtmöglicher Perfektion. Ihren Lebensunterhalt verdient sie wie ihre Freundinnen mit Kooperationen im Internet. Auf alkoholfreien Partys erschöpfen sich ihre Beziehungen in Modi von Konkurrenz, Neid und gespielter Zuneigung. Beim Shooting für ein Schokoladen-Start-up trifft Mon auf eine junge Fotografin; es ist der Beginn einer Serie zunächst sexueller Grenzüberschreitungen, in der sich Moniques latente Aggression bald in immer drastischeren Gewaltexzessen Bahn bricht.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.11.2025
Rezensentin Sara Rukaj schätzt den Mix aus Anklage, Diagnose, Beklemmung und Beobachtung in Josefine Rieks' Roman über eine Handvoll Selbstdisziplinierter. Influencer und durchkuratierter Markenfetischisten. Die Atmo des dauernden, fast algorithmischen Vergleichens inszeniert die Autorin laut Rukaj so, dass das Dunkle hinter der hellen Fassade sichtbar wird - Diät, Workout und Tierporn, Selbstkontrolle und Gewalt. Sprachlich nüchtern und präzis agierend wie Easton-Ellis, liebt die Autorin ihre Figuren, beteuert die Rezensentin. Die Welt der Selbstoptimierer wird aus ihrer inneren Logik heraus erzählt, stellt Rukaj fest. Das kann man brillant oder deprimierend finden, meint sie.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 11.11.2025
Rezensentin Undine Fuchs fehlt beim dritten Roman der Schriftstellerin, der "American Psycho" in die Influencer-Welt versetzt, die Pointe. In üblicher popliterarischer Gepflogenheit und passend zum Setting ist viel von Oberflächen die Rede: die Ich-Erzählerin Mon bewundert die Geschmeidigkeit ihres durchtrainierten Körpers und kennt die genaue Zusammensetzung der Beauty-Produkte, die ihr perfektes Äußeres aufrechterhalten. Auch ihre Freundinnen werden anhand ihrer Körper und ihrer gut platzierten Schönheitsflecken bewertet, erfahren wir. Fuchs sieht darin eine Verbindung zu den Studien des Soziologen Andreas Reckwitz, der in dieser Sucht nach Einzigartigkeit die höchste Stufe einer Verzahnung zwischen Kapitalismus und Individualismus sah. Wie auch bei Easton Ellis, wird diese Oberfläche im Laufe der Erzählung zwecks einer Poetik der Drastik gebrochen: Mon findet zunehmend Gefallen an exzessiven Gewalttaten als einzig verbleibende Quelle eines starken Gefühls, erklärt die Kritikerin. Das sei auch hier zwar ästhetisch konsequent, bleibe aber letztendlich leer und nichtssagend.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 04.10.2025
An Bret Easton Ellis' "American Psycho" fühlt sich Rezensent Simon Sahner bei Josefine Rieks Roman über die Influencerin Monique und ihr Leben in Berlin erinnert. Auch wenn sich der Roman für den Geschmack des Kritikers etwas zu stark an diesem Vorbild orientiert, sieht Sahner hier eine gelungene Satire auf die Social-Media-Welt, deren Oberflächlichkeit und Streben nach Perfektion. Faszinierend findet der Kritiker, wie Rieks ihr Buch sprachlich als "Marketingtext" gestaltet hat, das heißt in einer wenig emotionalen und neutralen Sprache, die sich auch dann nicht ändert, als die Protagonistin auf einmal gewalttätig wird. Diesen "Kippmoment", in dem sich der ständige Perfektionsdruck in Gewaltexzessen entlädt, sich sprachlich aber gar nichts ändert, findet der Kritiker besonders spannend. Auch den LeserInnen beziehungsweise Social-Media-KonsumentInnen hält Rieks hier den Spiegel vor, meint Sahner, indem sie zeigt, dass die "Scheinwelt", die wir zum Teil täglich konsumieren, auch dunkle Seiten hat. Für den Kritiker ist das eine gelungene und teilweise verstörende Parodie auf die Abgründe des Social-Media-Betriebs.
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