Es gibt diese Sätze, die jeder kennt. Kein Wunder, dass sie unser Weltbild bis heute beeinflussen. Nur: Kaum jemand weiß, woher sie stammen, wie sie ursprünglich gemeint waren - und was ihnen im Laufe der Zeit zugestoßen ist. Bruno Preisendörfer begibt sich auf eine Spurensuche. Berühmten Zitaten geht es oft wie literarischen Figuren: So wie diese ihren Herkunftsbüchern entlaufen, verlassen jene ihre Entstehungskontexte und beginnen bei ihrer jahrhundertelangen Wanderung durch die Köpfe der Menschen ein Eigenleben. Manche werden dabei fett vor Bedeutungen, die sie ursprünglich gar nicht hatten, andere magern bis zur Bedeutungslosigkeit ab. Manchmal richtet das kaum Schaden an, wie bei der Behauptung, über Geschmack ließe sich nicht streiten; die Konsequenzen können jedoch auch äußerst unheilvoll sein, wie bei Darwins "Überleben des Stärksten"; mitunter wird ein Satz auch einem Autor untergeschoben, obwohl der ihn nie geschrieben hat. Von wem stammt noch gleich "Zurück zur Natur" …?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.11.2023
Kein rechthaberisches, sondern ein denkhaberisches Buch hat Bruno Preisendörfer geschrieben, freut sich Rezensent Gerhard Matzig. Preisendörfer spürt, erfahren wir, der Entstehungs- und Wirkungsgeschichte diverser geflügelter Worte nach und stellt dabei unter anderem klar, dass der Ausspruch "Zurück zur Natur" nicht auf Jean-Jacques Rousseau, sondern auf Paul Thiry d'Holbach zurückzuführen ist. Wobei es Preisendörfer eben, erläutert Matzig, nicht dabei belässt, den wahren Urheber zu benennen, sondern ausgehend von dem Zitat weiterführende Überlegungen zur Rousseau-Rezeption anstellt. Ähnlich verfährt er, heißt es weiter, unter anderem mit der Adam Smith tatsächlich eher im Vorbeigehen erwähnten "unsichtbaren Hand", sowie diversen weiteren Evergreens der Geistesgeschichte. Viel kann man hier lernen, ohne sich je geschulmeistert zu fühlen, lobt Matzig, dem es außerdem gelingt, auch Preisendörfer ein Falschzitat nachzuweisen.
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