Botho Strauß

Saul

Cover: Saul
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2019
ISBN 9783498001353
Gebunden, 96 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Das bunt zusammengesetzte Volk will endlich von einem König geeint und angeführt werden. Widerwillig erfüllt Gott ihm den Wunsch und lässt den jungen Saul zum Herrscher ausrufen, der anfangs umjubelte Erfolge feiert: Er gewinnt Kriege und gründet einen fest gefügten Staat, dessen Macht er stetig ausbaut. Doch immer mehr wird Saul von Selbstzweifeln geplagt, immer fataler bestimmen Misstrauen, Schwermut und Jähzorn sein Handeln. Er, der der Ursprung der neuen Ordnung ist - dem Wechsel von der Theokratie zur Monarchie -, wird zunehmend zu ihrer größten Gefahr. Gott muss erkennen, dass er die falsche Wahl getroffen hat, und nicht nur ihn reut seine Entscheidung, die zur Folge hatte, dass die alte Einheit zwischen ihm und den Menschen endgültig entzweit wurde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2019

Während sich Botho Strauß in seinem jüngsten Prosaband an der "verschwundenen Liebesutopie" abarbeitet, wendet er sich in dem ebenfalls gerade erschienenen neuen Stück "Saul" dem Ende der Theokratie zu, klärt Rezensent Philipp Theisohn auf. Angelehnt an die Biografie des ersten Königs der Israeliten analysiere der Autor hier die Aufkündigung des Zwiegesprächs zwischen Gott und Mensch: Wenn Theisohn hier das Scheitern Sauls verfolgt, lernt er jedoch, dass das "Gespräch von den letzten Dingen" nie enden wird. Mehr verrät der Kritiker allerdings nicht über das Werk.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.12.2019

Zwei Bücher von Botho Strauß stellt Rezensent Lothar Müller vor, die seiner Meinung nach beide auf die Bühne gehören: der Prosaband "Zu oft umsonst gelächelt" und "Saul", das - geschrieben als Libretto für eine leider nie verwirklichte Oper von Wolfgang Rihm - eh für die Bühne gedacht war. Müller findet das jammerschade, denn als Kammerspiel auf einer Probebühne kann er sich das Stück sehr gut vorstellen. Strauß greift für das Thema zurück auf den König Saul Rembrandts und der Bibel, so der Rezensent. Für Strauß sei der unglückliche König, der keiner sein will und kann, der Urdepressive, Unzeitgemäße, der junge David dagegen der Urbegünstigte und Zeitgemäße. Keine Frage, wem die Sympathien von Strauß gehören. Was Müller an dem Buch vor allem fasziniert, ist die Auflösung der biblischen Erzählstimme in Dialoge und Strauß' Versuch, der Sprache der Bibel treu zu sein, ohne sie einfach zu übernehmen. Also junge Regisseure, traut euch!

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.11.2019

Ingeborg Harms liest das neue Stück von Botho Strauss scheinbar mit Genuss. Wie der Autor mit direkter Diktion aus dem alttestamentarischen Saul-Stoff ein Kammerspiel um Kabale und Liebe entwickelt, findet Harms erstaunlich. Die aus der allseitigen Liebessucht entstehenden Konflikte in den "hysterischen Scharmützeln Straußscher postmoderner Paare" sich niederschlagen zu sehen, macht Harms Freude. Sauls durch Gott initiierter "emotionaler Tumult" und seine Gefühle für seinen verräterischen Sohn Jonathan scheinen die Rezensentin gut zu unterhalten.

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