Leonhard Horowski

Das Europa der Könige

Macht und Spiel an den Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts
Cover: Das Europa der Könige
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2017
ISBN 9783498028350
Gebunden, 1120 Seiten, 39,95 EUR

Klappentext

Als Europas Herrscher eine große Familie waren - das schwungvoll erzählte Panorama einer Zeit, die sich uns faszinierend fremd und doch seltsam vertraut darstellt. Ein eigenartiger Kontinent ist das Europa der Könige: Hier kann ein König von England, der kein Englisch spricht, auf die Idee kommen, die Pläne eines kein Spanisch sprechenden Königs von Spanien zu durchkreuzen, indem er dem kein Polnisch sprechenden König von Polen anbietet, König von Sizilien zu werden. Hier residiert die Macht in überfüllten Schlössern, deren Höflings-Bewohner sich den ganzen Winter über um das Recht streiten, in Gegenwart der Königin auf einem Hocker sitzen zu dürfen, bevor sie im Sommer losziehen, um an der Spitze knallbunt uniformierter Truppen direkt in das Musketenfeuer der Kriegsgegner hineinzumarschieren. Hier lebt eine Gesellschaft, in der ein Edelmann, der erst mit dreiundzwanzig Jahren feststellt, keinen Vornamen zu haben, weniger auffällt als einer, der seine Frau mit ihrem Vornamen anredet. Hier schart sich der höfische Adel um Herrscher, die in einem dichten Netz aus diplomatischen Beziehungen, Intrigen und Verschwörungen gefangen sind: Nationalität und Ideologie sind ihnen nichts, die eigene Dynastie dagegen alles.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2017

Leonhard Horowskis "Europa der Könige" steckt voller Überraschungen, versichert Rezensent Stephan Speicher. Zum einen, weil der Historiker schwungvoll, spannungsreich und literarisch gewandt überwiegend unbekannte Geschichten vom europäischen Hof und dessen Personal erzählt, schwärmt der Kritiker. Zum anderen, weil Horowski das gängige Bild der Fachleute, es handele sich bei den dynastischen Verbindungen, Intrigen und Statusfragen lediglich um "Oberflächengekräusel", um die Perspektive der Zeitgenossen erweitert und somit zu reizvollen neuen Einsichten gelangt, fährt Speicher fort. Dass sich der Autor gelegentlich in dynastiegeschichtlichen Beschreibungen und Details verliert, kann der Kritiker gern verzeihen. Allerdings muss er gestehen, dass er neben kulturgeschichtlichen Erläuterungen bisweilen auch begriffliche Schärfe vermisst. Gern hätte er mehr über das Verhältnis von Adel und Souverän, dynastischen Interessen und Staatsräson erfahren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2017

Tolles, witziges Buch, meint Rezensent Gustav Seibt locker. Dabei hat ihn Leonhard Horowskis Wälzer rund 14 Tage Lesezeit und mittelschwere Gedächtnisarbeit gekostet. Derart lang referiert der Autor mitunter aus genealogischen Handbüchern, um dynastisches Networking zu erhellen und damit eine Sozialgeschichte der Herrschenden zu schreiben. Faktenhungrig, in weiten Bögen und mit "maximaler Binnenspannung" bringt der Autor dem Rezensenten die Funktionsweisen der Macht bei Tisch und in der Zeremonie nahe. Dass der Leser in einen "barocken Wahrnehmungsmodus" umstellen muss, um der aus Memorien und Briefen gespeisten "romanhaft-umständlichen" Darstellung zu folgen, geht für Seibt genauso in Ordnung wie der Umstand, dass Horowski eher die Nebenhelden der Staatsgeschichte aus der zweiten Reihe vorstellt, Minister, Generäle und Mätressen.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 11.03.2017

Eberhard Straub hat sich mit Leonhard Horowski auf Zeitreise ins "Europa der Könige" des 17. und 18. Jahrhunderts begeben. Mit einer Portion höfischem Klatsch und Sachkenntnis erzählt ihm der Berliner Historiker in zwanzig mit reichlich Personal gefüllten Kapiteln von den Gepflogenheiten, Sitten und Launen am Hofe: Der Kritiker erfährt hier, wie Ehen und Beziehungen geschlossen wurden, wie man dem Gegner im Krieg höflich begegnete oder wie Hierarchien funktionierten. Dass Horowski allerdings immer wieder in "heutigen Jargon" verfällt, etwa von "Jobprofil" oder "Charisma-Direktvergleich" spricht, findet der Rezensent nicht nur hilflos, sondern auch ermüdend und sogar "peinlich".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.03.2017

Als Jugendlicher hat Micha Brumlik die "Angélique"-Romane mit heißen Ohren unter der Bettdecke verschlungen, heute stürzt er sich mit größter Neugier auf Leonhard Horowskis Prachtband über das "Europa der Könige". Mit 1.200 Seiten unterhaltsamster Monarchiegeschichte kommt der Rezensent auch auf seine Kosten: Er lernt, dass Mätressen für den Monarchen nicht nur als erotische Gespielinnen von Bedeutung waren, sondern auch als Sündenböcke bei eventuellen Legitimationskrisen. (Wer hatte keine? Ludwig XVI!) Auch dass die Autobiografie nicht unbedingt eine bürgerliche Gattung war, sondern auch von den Damen am Hof eifrig betrieben wurde, erfährt Brumlik von Horowski. Aber natürlich macht er sich nichts vor. So glänzend diese Geschichte auch erzählt wird, sie ist eine "volle Artilleriesalve" auf jede Form heutiger und soziologisch fundierter Geschichtsschreibung.