Wiege der Eidgenossenschaft, militärisches Réduit, Transitort, technisches Experimentierfeld, Fiktionsmaschine: Der Gotthard setzt Fantasien frei, und zwar nicht nur im Jahr der Eröffnung des Basistunnels, sondern schon seit mehr als zwei Jahrhunderten. Experten aus Politik-, Geschichts-, Kultur- und Literaturwissenschaft sowie von Transtec Gotthard beleuchten die sich bis heute wandelnden Narrative. Dabei beschränken sie sich nicht auf eine Schweizer Nabelschau, sondern präsentieren auch überraschende europäische Perspektiven auf den Gotthard. Ergänzt werden die Beiträge durch literarische Texte von acht prominenten Schriftstellerinnen und Schriftstellern.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.12.2016
Für Thomas Steinfeld bieten die von Boris Previsic hier versammelten Gotthardfantasien zweierlei, nämlich die Sicht der Literatur und jene der Technik und Wissenschaft auf das Phänomen Gotthardtunnel, der gerade eröffnet wird. Wunderbar findet der Rezensent, wie hier Technisches in sprachlich Surreales übergeht in nur ein paar Sätzen. Ob ein Ingenieur, eine Dichterin oder ein Literaturwissenschaftler sich des Tunnels annimmt, meint Steinfeld, immer geht es hoch hinaus beziehungsweise tief hinein, werden nationalstaatliche und technische Fantasien bemüht, natürliche Risiken abgeschätzt und maschinelle Bewältigungen versprochen. Die Motivlage um den Gotthard zwischen "Durchschuss und Ameisenstraße" wird Steinfeld, so scheint es, beim Lesen gewinnbringend bewusst.
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