Bodo Kirchhoff

Der Prinzipal

Novelle
Cover: Der Prinzipal
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783627001391
Gebunden, 123 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

Der Principale, wie man ihn allgemein in Anspielung auf seine italienischen Sitten und Unsitten nennt, erlebt den ersten Geburtstag seit langem ohne Öffentlichkeit: Er ist über eine Affäre gestolpert und wurde gestürzt. Ein Mann, der viel Einfluss hatte und nur aus Machenschaften bestand, entdeckt nach dem Karriereknick, dass er Frau und Tochter hat und einen achtzehnjährigen Enkel, den er jetzt kennenlernt. Gemeinsam mit dem Enkel fährt er im Boot auf den größten italienischen See hinaus, ein idyllisch beginnender Ausflug mit dramatischem Höhepunkt. Der Junge filmt den Mann, nach dem ganze Gesetze benannt sind, er braucht eine Talentprobe, denn er will später Filme machen. Der Prinzipal, kameragewohnt, lässt seiner Verbitterung freien Lauf, bis er mitten auf dem See schwimmen geht. Der allein gelassene Enkel beobachtet in der Ferne den Sturz einer Kitesurferin aufs Wasser; mit dem Boot eilt er dem Mädchen zu Hilfe. Er holt die Bewusstlose an Bord, eine verletzte Schönheit, bis etwas geschieht, das allen Selbstschutz aufbricht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007

In seiner Doppelbesprechung zu Werken Bodo Kirchhoffs nimmt sich Rezensent Andreas Kilb auch dieses Textes an, dessen Gattungsbezeichnung als Novelle er jedoch sogleich verwirft. Dem "begabtesten und ehrgeizigsten" Schriftsteller seiner Generation, so Kilb, sei hier höchstens eine "Sommererzählung" gelungen, ein "Impomptu". Kirchhoff ist für Kilb eigentlich ein besserer Drehbuchautor als Erzähler. Die Geschichte handelt von einem - offenbar dem Kanzlerberater Peter Hartz nachgebildeten - Großvater, der auf einer Bootsfahrt seinen Enkel beeindrucken möchte. Der interessiert sich aber nur für seine Videokamera, mit der er das ganze filmt. "Kopfgeburten" treffen hier aufeinander, keine Menschen, so Kilb. Für ihn ist Kirchhoff zu sehr "Prinzipal der eigenen Biografie".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2007

Christoph Schröder schildert seine Eindrücke zu Bodo Kirchhoffs Buch von der "an Peter Hartz angelehnten" Figur her. Das Bild des Autokraten, das Kirchhoff entwickelt, erscheint ihm dabei wenig überraschend, die "Banalitäten" aus dessen Mund wirken auf ihn derart "selbstgerecht" und "schwitzig", dass er inständig hofft, es handele sich um eine "Vorführung". So weit, so unspektakulär. Wenn Kirchhoff schließlich "doch noch" der Novellenform gerecht wird, indem er eine Frau buchstäblich vom Himmel ins Geschehen fallen und dieses sich wenden lässt, ist der Rezensent sehr erleichtert.
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