Bob Woodward

Greenspan

Dirigent der Weltwirtschaft
Cover: Greenspan
Europa Verlag, Hamburg 2001
ISBN 9783203776750
Gebunden, 352 Seiten, 22,75 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Schmid. Achtmal im Jahr, immer an einem Dienstag, wartet die internationale Finanzszene auf eine Nachricht aus den USA. Dann verkündet die Washingtoner Notenbank, seit 14 Jahren unter dem Vorsitz von Alan Greenspan, den kurzfristigen Zinssatz, der wie ein elektrischer Impuls auf dem ganzen Globus Aktivitäten auslöst, die Börsen von Frankfurt bis Hongkong beeinflusst und buchstäblich Milliarden bewegt. Die Kreditvergabe unter Banken wie Pfandbriefe, Geschäftskredite und Hypotheken, die Schaffung von Arbeitsplätzen und das nationale und internationale Wirtschaftswachstum sind abhängig von diesem Beschluß des Federal-Reserve-Chairman. Mit gutem Grund gilt Greenspan als "der mächtigste Mann in der Welt" (FAZ), zumindest in Friedenszeiten. Legendär sind seine etwas kryptischen Äußerungen, die von Finanzmaklern weltweit und oft gegensätzlich interpretiert werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2001

In einer Doppelrezension bespricht Claus Tigges zwei Bücher über Alan Greenspan, die sich seiner Ansicht nach recht gut ergänzen.
1.) Bob Woodward: "Greenspan" (Europa Verlag)
Wie der Leser erfährt, liegt der Schwerpunkt dieses Buchs auf Greenspans Zeit als Notenbankchef. Privates tritt also demnach hier in den Hintergrund. Woodward stützt sich dabei, so Tigges, auf "nicht näher genannte Informanten aus dem politischen Apparat". Doch diese Anonymität schadet dem Buch seiner Ansicht nach offenbar nicht. Vielmehr findet Tigges, dass das Buch recht deutlich aufzeigt, wie sehr die amerikanische Geldpolitik von Greenspan in den letzten Jahren geprägt wurde und wie erfolgreich er darin war, seine Vorstellungen auch gegen erbitterte Widerstände im geldpolitischen Rat durchzusetzen. Gut gefallen Tigges auch die hier beleuchteten Hintergründe im Zusammenhang mit dem Börsen-Crash 1987 und den damaligen Vorgängen in der Fed, dem Finanzministerium und dem Weißen Haus. Bedauerlich findet der Rezensent lediglich die bisweilen etwas "holprige Übersetzung, verbunden mit einigen sachlichen Ungenauigkeiten".
2.) Justin Martin: "Alan Greenspan" (Deutsche Verlags-Anstalt)
Anders als Woodward beschäftigt sich Martin hier vor allem mit dem Privatmann Greenspan, seiner Kindheit und Jugend, seine Hobbys, Bekanntschaften und Prägungen, erklärt der Rezensent. Und so erfahre man "anschaulich und interessant" etwas über Greenspans Verhältnis zu seiner Mutter, seine Abneigung gegen Richard Nixon, aber auch über seine "Liebe zum Baseball und zur Musik". Martin wartet hier nach Tigges' Ansicht auch mit einiges Überraschungen auf, die er offenbar besonders Greenspans ehemaligen Klassenkameraden zu verdanken hat. Der Rezensent betont allerdings ausdrücklich, dass das Buch nicht nur aus Anekdoten besteht, sondern durchaus auch sachliche Hintergrundinformationen zu "politischen und wirtschaftlichen Ereignissen" bietet, bei denen Greenspan mitgewirkt hat. Im Vergleich zum Band Woodwards registriert Tigges hier einen etwas "sorgsameren" Umgang mit ökonomischen Zusammenhängen. Zwar hat er auch hier einige wenige Ungenauigkeiten bemerkt, doch tue dies der Qualität dieses Bandes insgesamt keinen Abbruch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.03.2001

Er gilt als der mächtigste Mann der Welt. Das Zucken einer Augenbraue reicht, dem Börsianer den Atem zu verschlagen. Wohl und Wehe der Aktienmärkte liegen in seinen Händen, erzählt Norbert Sturm. Bis jetzt. Denn Alan Greenspan, seit vierzehn Jahren Präsident der US-amerikanischen Notenbank, ist ins Gerede gekommen. Das Buch des Pulitzer-Preisträgers und Watergate-Enthüllers Bob Woodward kommt da genau zur richtigen Zeit, meint der Rezensent. Denn Woodwards Insider-Story hilft, die Hintergründe von wirtschaftlichen Entwicklungen besser nachvollziehen zu können. Eine spannende Lektüre, wenn auch nicht für absolute Laien, lautet das Fazit von Sturm.
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