Berlin ist der Protagonist in Björn Kuhligks Alltagsbeobachtungen, die er zwischen Lankwitz und Spandau, zwischen Müggel- und Schlachtensee macht. Kuhligk läuft mit seinen Kindern durch die Stadt, fährt Taxi, besucht Kneipen und entdeckt die Berliner Stadtmusikanten. In seinen Reportagen begleitet er Zeitungszusteller, 1.-Mai-Demonstranten, und nicht zuletzt beschreibt er die Veränderungen einer Ostberliner Arbeiterkneipe. Kuhligk schildert den U-Bahn-Bettler, der seit Jahren von Astronautennahrung lebt, schwere Melancholiker, die musizieren, und Lars Eidinger, der Theaterbesucher anpöbelt. Er erzählt von spätpubertierenden Hipstern in Mitte, einer unsicheren Malerin in ihrem Atelier, einem Besuch im Bürgeramt, einem Kleinverleger, der mit 100 Bücherkisten umzieht, dem Bambus-Gott im Zoo und zwei Mädchen, die beim Klauen erwischt wurden.
Klaus Ungerer macht es sich nicht leicht mit dieser Sammlung von taz-Kolumnen. Ob ein Buch überhaupt ein Buch ist, ohne großen Bogen, Rhythmus usw. Quatsch, meint Ungerer und freut sich dann doch einfach an der Effizienz des Erzählens bei Björn Kuhligk, seiner Lakonie, Genauigkeit beim Beschreiben von Nächten und Kneipen und Demos und vor allem: von Berlin. Dass der Autor Berliner ist, nicht Zugereister, macht die Sache für Ungerer einfacher. Es fehlen die Erwartungen an die Stadt, die Pointen auch, die Aufdringlichkeit. Neugier und Nüchternheit dafür. Gut so, meint Ungerer.
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