Eine Phänomenologie der Aufmerksamkeit gibt sich weder mit subjektiven Akten noch mit anonymen Mechanismen zufrieden. Sie bewegt sich zwischen Auffallen und Aufmerken in einem Schwerefeld, das die "Gewichte der Dinge" verändert. Wir sind daran beteiligt, aber nicht als autonome Subjekte. Dazu gehören räumliche Szenerien und zeitliche Verzögerungen. Etwas kommt auf uns zu, bevor wir darauf zugehen. Hinzu kommt ein Arsenal aus Techniken, Medien und sozialen Praktiken, das eine Ökonomie und Politik der Aufmerksamkeit hervorbringt. Die Verankerung dieser Zwischeninstanzen im Leib, der als Leibkörper auch neurologische Prozesse und das Wirken des Unbewußten einschließt, widersetzt sich der Hypostasierung von Körperkonstrukten, Netzwerken und Machtpraktiken. Aufmerksamkeitskonflikte verweisen auf ein Ethos, das uns mit Unerwartbarem konfrontiert und in einer Beachtung gipfelt, die wir anderen schulden, ob wir es wollen oder nicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.02.2005
Schade, dass Sonja Asal sich keine zwei Zentimeter von der abstrakten Sprache des vorliegenden Buches lösen und damit die Brücke zum Leser der Rezension schlagen kann - was in der Studie sicher argumentativen Wert und intellektuelle Berechtigung, sogar Notwendigkeit hat, ist als isoliertes Zitat in der Besprechung schwer nachvollziehbar. Immerhin, es wird deutlich, dass Waldenfels an Maurice Merleau-Ponty und Emmanuel Levinas geschulte "phänomenologische Erkundungsgänge" unternimmt, um sich dem Begriff und der Realität der "Aufmerksamkeit" zu nähern - einem gesellschaftlich relevanten, weil umkämpften Gegenstand, geht es doch in Werbung und Politik vor allem darum: "Wer auf sich aufmerksam macht, setzt sich gegen andere durch." Waldenfels nähert sich der Aufmerksamkeit über eine "Reihe von Einzelstudien", also von verschiedenen Seiten: Phänomenologie, Erzähltheorie, Psychoanalyse. Und er tut das augenscheinlich zur Zufriedenheit der Rezensentin.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…