Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518588475 Gebunden, 200 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Narzissmus ist allgegenwärtig - als Modewort, moralischer Vorwurf, Gesellschaftsdiagnose oder klinischer Befund. Doch was verbirgt sich dahinter? Und warum sind narzisstische Menschen nicht zufriedenzustellen - unersättlich? Thomas Arnold und Thomas Fuchs entwerfen in ihrem grundlegenden Buch eine neue, phänomenologisch-existenziale Sicht des Narzissmus. Das narzisstische Selbst- und Weltverhältnis erweist sich hier als Ausdruck einer existenziellen Leere: eines leiblich gespürten Mangels an Selbstwert, der durch äußere Bestätigung, Attraktivität oder Macht nie dauerhaft gestillt werden kann. Zugleich ist der Narzissmus ein Spiegel der spätmodernen Seele, und gerade in einer Kultur der Individualisierung - von Social Media bis Therapie, von Echo bis Instagram - gilt es zu verstehen, warum Bestätigung von außen niemals satt macht. Arnold und Fuchs führen philosophische, soziologische, psychologische und psychodynamische Erkenntnisse zusammen, um zu einem tieferen Verständnis für die Strukturen narzisstischer Subjektivität in Individuum und Gesellschaft zu gelangen. Gibt es auch gesunden Narzissmus? Wieso sind echte Begegnungen für Narzissten so schwierig? Und was haben Virtualität, Verschwörungstheorien und extreme Politik mit Narzissmus zu tun?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.03.2026
Sehr knapp, aber interessiert bespricht Rezensent Thorsten Jantschek diesen Essay der Philosophen Thomas Arnold und Thomas Fuchs, die hier eine weitreichende phänomenologische Analyse des Narzissmus vorlegen. Dabei blicken sie nicht nur sorgfältig auf Ovids Narziss-Mythos und auf die klinische Diagnose von Narzissmus, sondern erkennen ihn auch als Gegenwartsdiagnose an, fährt der Kritiker fort. Narzissmus wird bei den beiden Autoren entsprechend zur "Grundfigur des Selbst- und Weltverhältnisses, die die gegenwärtige Kultur in besonderem Maß charakterisiert", liest Jantschek. Einer Normalisierung des Narzissmus, der vor allem durch die Anerkennungsmechanismen der digitalisierten Welt begünstigt wird, widersprechen die Autoren allerdings: Zum Glück gibt es Therapiemöglichkeiten, schließt der Kritiker mit Arnold und Fuchs.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.03.2026
Rezensentin Helene Rösch bespricht in ihrer Doppelkritik zwei Bücher zu den "Pathologien der Spätmoderne". Einen wertvollen Beitrag zu Debatte um den zurzeit vieldiskutierten Narzissmus können für sie Thomas Arnold und Thomas Fuchs leisten: der Philosoph und der Psychiater spüren in ihrem Buch "Das unersättliche Selbst" narzisstischen Tendenzen im Individuum und in der heutigen Gesellschaft nach. Dabei lernt Rösch etwa, dass Narzissmus in einem tiefen Mangel an Selbstwertgefühl fuße, in einer inneren Leere, die einfach nicht gefüllt werden will - erst recht nicht durch einen Partner/eine Partnerin. Auch die Verbindung zur Hypochondrie werde schlüssig dargelegt. Wie die Autoren ihre Überlegungen bei der klassischen Spiegel-Metapher aus Ovids Metamorphosen beginnen und dann einen phänomenologischen, sich von Freud und der Idee eines "gesunden" Narzissmus abgrenzenden Ansatz verfolgen, findet die Kritikerin ergiebig und angemessen differenziert. Am Ende attestiert sie sogar eine "brillante, hochaktuelle" Analyse, die den Narzissmus über die Idee des Unersättlichen auch an eine kapitalistische Logik bindet - für Röhnsch eine wertvolle Lektüre.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 07.03.2026
Rezensent Eckard Goebel konstatiert einen "Trend zur Frivolisierung des Narzissmus", dem dieses Buch des Philosophen Thomas Arnhold und des Psychiaters Thomas Fuchs glücklicherweise entgegentritt: Die digitale Welt verführt zu narzisstischen Posen, doch die klinische Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist noch einmal etwas anderes. Die Autoren erklären anhand von Koryphäen wie Heinz Kohut und Otto Kernberg, dass Narzissmus aus fehlender Zuneigung entsteht, die einem mangelndes Selbstwertgefühl verursacht, "Selbstsucht ist das Gegenteil von Selbstliebe", zitiert Goebel ihre pointierte Zusammenfassung. Die Schilderungen vom Leid der Narzissten vermögen es, bei ihm Mitgefühl zu erzeugen, sowohl für die Kranken als auch die, die zu ihren Opfern werden, interessant findet er auch die Diskussion therapeutischer Optionen, die zum Beispiel auch Körpertherapie involvieren. Besonders gefällt dem Kritiker auch, wie phänomenologisch auf das Zeitempfinden der Narzissten eingegangen wird, die weder Vergangenheit noch Zukunft spüren können. Einzig die Ausflüge zur Existenzphilosophie von Heidegger und Sartre wissen ihn nicht zu überzeugen.
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