Reservelazarett Pasewalk, 28 Tage im Herbst 1918, der letzte und wichtigste unerforschte Abschnitt in der Geschichte Adolf Hitlers. In drei dieser 28 Tage vollzog sich bei Hitler die schwerste seelische Transformation, die jemals bei einer Person des öffentlichen Lebens beobachtet worden ist: Vom abgestumpften Befehlsempfänger des Ersten Weltkrieges zum Hass und Rache speienden politischen Agitator. Hitler verließ am 14. Oktober mit einer Senfgasvergiftung der Augen die Front und wurde im Reservelazarett Pasewalk als Psychopath mit hysterischen Symptomen psychiatrisch behandelt. Knapp einen Monat später, am 10. November 1918, verfiel er bei Bekanntwerden der deutschen Kapitulation in eine tiefe Depression mit hysterischer Erblindung. Marine-Stabsarzt Professor Edmund Forster heilte den Gefreiten mit einer genial angewandten Hypnose von seiner Blindheit, suggerierte ihm Omnipotenzgefühl und Sendungsbewusstsein und wurde so zum ahnungslosen Erfüllungsgehilfen für alles, was danach an Schrecklichem geschah. Diese Arbeit beruht auf neuesten Erkenntnissen und stellt der psychiatrischen Medizin Fragen, die ihr bisher noch nicht gestellt wurden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2004
Hitler selbst, berichtet Klaus A. Lankheit, stellte seinen Lazarettaufenthalt nach dem Ersten Weltkrieg als Wendepunkt in seinem Leben dar - ein intensives Erleben der plötzlichen Gesundung verbunden mit einer politischen Vision. Die Umstände dieser Heilung in Pasewalk sind nie ganz geklärt worden, denn Hitler befand sich dort, erläutert Lankheit die Brisanz des Lazarettaufenthaltes, in psychiatrischer Behandlung bei einem Marinearzt namens Edmund Forster, der, so lautet eine der folgenreichen Thesen Horstmanns, möglicherweise seine hypnotische Behandlung nicht ordnungsgemäß zu Ende gebracht habe. Hitler ließ später, ergänzt Lankheit, Mitwisser um seine militärische Krankenakte schlicht liquidieren. Der Marinearzt Forster aber beging 1933 Selbstmord. Zuvor hatte er seine Aufzeichnungen einem Pariser Emigrantenkreis übergeben, dem auch Ernst Weiß angehörte. Weiß wiederum verwendete das Material in seinem Roman "Der Augenzeuge", erzählt der Rezensent. Der Verfasser habe mit seiner Quellensuche Anerkennenswertes geleistet, betont Lankheit, steht aber der Auswertung des Romans von Ernst Weiß als Schlüsselquelle skeptisch gegenüber. Horstmann nehme dessen Beschreibung der Hypnose zu wörtlich, schreibt er kritisch; die Hypnose sei zwar "plausibel, aber deshalb nicht unbedingt authentisch".
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