In seiner 1200-jährigen Geschichte hatte Magdeburg 2013 zum ersten Mal einen literarischen Stadtschreiber - den geborenen Sachsen und gelernten Berliner Bernd Wagner - gewählt und ihm einiges geboten: eine Turmwohnung mit Rundumaussicht, Nachtigallenkonzerte, offene Theater- und Museumspforten und nicht zuletzt ein Elbhochwasser von noch nicht erlebten Ausmaßen. Der Preisträger wusste dieses Angebot zu würdigen, indem er von seinen Stadtgängen und Wanderungen durch die nähere und fernere Umgebung Magdeburgs in seinem Journal berichtete, das er als Blog ins Internet stellte und nun für den Druck überarbeitete. So vielfältig wie seine Erlebnisse sind die Formen, in die der Autor sie fasste.
Die langweilige, weltabgewandte Provinz ist ein altes Klischee, das wieder in Mode zu kommen scheint, meint Christoph Buch. Umso mehr freut er sich über zwei Bücher, die mit ihm brechen: Jacques Decours "Philisterburg" und Bernd Wagners "Die Straße kräht Coqui", die sich beide an Magdeburg abarbeiten. Wagner hatte 1985 freiwillig die DDR verlassen und schildert in seinem Buch nun die Wiederbegegnung mit Magdeburg, berichtet der Rezensent. Vor allem ist Wagner aufgefallen, wie voreilig der DDR das Etikett "ehemalig" aufgeklebt wurde, und er erinnert daran, dass allein der Bezirk Magdeburg mehr als dreieinhalbtausend hauptamtliche Stasimitarbeiter beschäftigte, so Buch. Eine halbe Millionen Akten zeugen noch immer davon, weiß der Rezensent.
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