Herausgegeben von Mathias Bertram. Von offizieller Seite wurde Bernd Heyden in der DDR gelegentlich als "Müllkastenfotograf" diffamiert. Kein Wunder: der vom Kreis der Fotografen um Arno Fischer geförderte Autodidakt interessierte sich nicht besonders für die Heilsversprechen des Sozialismus. Seine Aufmerksamkeit galt vielmehr dem gewöhnlichen Leben in seinem Kiez, dem Prenzlauer Berg, das er ohne Auftrag und daher völlig ungeschönt fotografierte. Zwischen den zerfallenden Gemäuern links und rechts der Prenzlauer und der Schönhauser Allee, aber auch bei Ausflügen zum Alexanderplatz oder in die halbseidene Welt der Berliner Pferderennbahnen schuf Heyden Porträts und Momentaufnahmen von großer poetischer Kraft. Ihr Gestus ist oft melancholisch, doch zeugen sie auch von viel Humor und einem gehörigen Sinn für Groteskes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2009
Er war zu Lebzeiten als Fotograf nicht berühmt, er starb jung und wurde schnell vergessen: Bernd Heyden, der sein Leben - das von 1940 bis 1984 währte - im Prenzlauer Berg verbrachte und den Kiez, der ihm Heimat war, für immer festhielt auf seinen Bildern. Nichts, wirklich gar nichts erinnert die Rezensentin Regina Mönch beim Betrachten der Fotografien an das Stadtviertel des "Bionade-Biedermeier", wie man es heute kennt. Dieser Band ist eine "Flaschenpost", aus der eine spezielle, und ganz sicher damals nicht offizielle Ansicht der DDR ersteht, in "vielfältigem Grau", so die Rezensentin. Was diesen Bildern, die sie teils meisterhaft findet, anzumerken ist, konstatiert Mönch, ist die genaueste Kenntnis des dargestellten Milieus. In der DDR brachte es Bernd Heyden den Beinamen des "Müllkastenfotografen" ein. Hier ist, nicht nur und vielleicht sogar gerade nicht für Ostalgiker, so Mönch, eine Wiederentdeckung zu machen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.12.2008
Für Gustav Seibt ist Bernd Heydens von Mathias Bertram herausgegebenes Bildkunstwerk schlicht und ergreifend der schönste Fotoband des Jahres 2008. Dem Betrachter biete sich hiermit die Chance, postum einen Klassiker zu entdecken, schreibt Seibt. Den zu Lebzeiten wenig bekannten Heyden lobt er als wachen, liebe- wie humorvollen Beobachter seiner unmittelbaren Lebenswelt, dem Berliner Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg und seiner "Tagesbewohner". Vorbilder von Heydens Kunst des Spiels mit Licht- und Grautönen sieht er in Altmeistern der Fotografie, wie August Sander und Henri Cartier-Bresson. Dem Herausgeber dankt Seibt für die einfühlsame Auswahl und Bearbeitung der Negative und für ein "schönes" Vorwort.
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