Beograd Gazela

Reiseführer in eine Elendssiedlung
Cover: Beograd Gazela
Drava Verlag, Klagenfurt 2008
ISBN 9783854355335
Gebunden, 222 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Von Lorenz Aggermann, Eduard Freudmann und Can Gülcü. Obwohl es in Europa eine ganze Menge an Siedlungen gibt, die dem gängigen Sprachgebrauch nach als Slums oder Elendssiedlungen bezeichnet werden, fragt kaum jemand danach, warum es zu deren Entstehung kommt, wie es sich darin leben lässt und wie der Ort den Alltag seiner BewohnerInnen prägt. Besonders auffällig wird dies am Beispiel jener Elendssiedlung unterhalb der Autobahnbrücke Gazela, im Herzen Belgrads: täglich fahren Zehntausende an den Hütten und Baracken vorbei und dennoch gibt es kaum glaubwürdige Informationen über die Siedlung und die Menschen in überwiegender Mehrheit Roma die dort zu wohnen gezwungen sind. Ab welcher Größe ist eine Ansammlung von Hütten und Baracken als Siedlung zu betrachten? Was unterscheidet Hütten von Baracken? Wie lebt man ohne städtische Infrastruktur, ohne Wasser, ohne Strom? Wie organisieren sich die BewohnerInnen, welcher Arbeit gehen sie nach? Wie steht es mit ihrer medizinischen, wie mit ihrer kulturellen Versorgung? Der Reiseführer in eine Elendssiedlungführt in diesen weißen Fleck, um dessen Stellenwert im öffentlichen Bewusstsein neu zu definieren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.08.2008

Tiefe Einblicke in die Belgrader Elendssiedlung Gazela hat Rezensent Andreas Ernst mit diesem Buch gewonnen, das als Reiseführer durch das Roma-Quartier führt. Gazela hat sich in den frühen Achtzigerns nach Titos Tod gegründet, als die wirtschaftliche Krise viele Roma in die damals jugoslawische Hauptstadt getrieben hat. Viel gelernt hat Ernst über Infrastruktur und soziale Gliederung, die Familienbande. Sehr interessant fand er auch einen der "Hauptgründe für das Elend vieler Roma": die Unfähigkeit, sich sozial zu organisieren. In einer Gesellschaft, in der jeder jedem misstraut, wird es unmöglich zu delegieren. Aber auch die sozialen Teufelskreise aus Armut, Arbeitslosigkeit und Analphabetentum sieht der Rezensent sehr gut dargestellt. Unpassend findet er nur, wie sich die Autoren von "Kulturschaffenden" bestätigen lassen, wie sinn- und anspruchsvoll ihr Reiseführer-Projekt sei.

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