Herausgegeben und kommentiert von Jürgen Rathje. Der Hamburger Dichter Barthold Heinrich Brockes hat in der deutschen Literatur keine Vorgänger: seine rhetorische Virtuosität erinnert an die Kunst des Manierismus im 17. Jahrhundert, trägt frühaufklärerische Züge und weist gleichzeitig darüber hinaus. Sein monumentales Hauptwerk, das "Irdische Vergnügen in Gott", gilt als der Beginn deutscher Naturpoesie. In einer Zeit, in der optische Instrumente wie Mikroskop und Fernrohr populär werden, wendet sich Brockes in seinen Gedichten der Naturbeschreibung zu: Bei ihm wird naturgeschichtliches Material zu Poesie, die sich durch Metaphernreichtum und Gleichnisse in poetische Malerei verwandelt. Der Band bildet den Auftakt einer Edition von Brockes' Werken nach den Ausgaben letzter Hand. Er enthält neben verstreut erschienenen Gedichten und Aufsätzen Brockes' "Selbstbiografie" auch die Nachdichtung des "Bethlehemitischen Kindermords" von Giambattista Marino.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.04.2013
Steffen Martus bedankt sich überschwänglich beim Wallstein-Verlag für diesen ersten Band der neuen Gesamtausgabe der Werke von Barthold Heinrich Brockes. Brockes war zu Beginn des 18. Jahrhunderts nicht nur Hamburger Senator, er war auch damals schon Dichter, berichtet Steffen Martus. Gerade seine Lyrik stellte sich als diplomatisch wertvoll heraus, als Hamburg nach wiederholten Unruhen vor dem Kaiser um Vergebung bitten musste. Aber nicht nur politisch war Brockes' Dichtung einflussreich, weiß der Rezensent. Zu Zeiten der Frühaufklärung wurde fleißig Stellung bezogen, Lutheraner, Spinozisten, Papisten, Calvinisten, Naturalisten und sonstige -isten stritten um die Deutungshoheit, doch Brockes wollte sich nicht so recht auf ihr Spiel einlassen. In seinem fünfeinhalbtausendseitigen Werk "Irdisches Vergnügen in Gott" greift er zwar lyrisch vom Mistkäfer bis zum Kosmos so ziemlich jedes Thema auf, lässt sich dabei aber so wenig einordnen, dass sich die unterschiedlichen Parteien allesamt auf ihn berufen, erklärt Martus. Nur einige kleine Kritikpunkte möchte der Rezensent anbringen: angesichts der Relevanz des geschichtlichen Hintergrundes hätte er sich einen umfangreicheren Kommentar und besonders ein Personenregister gewünscht, außerdem findet er die Entscheidung für eine Ausgabe letzter Hand wenigstens fragwürdig, da die Gedichte häufig auf einen spezifischen Kontext angewiesen wären.
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