Stehlen, Schimpfen, Spielen

Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN
9783498007591
Gebunden, 144 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Barbi Marković hat sich das Stehlen als kulturelle Unverschämtheit zum Programm gemacht. In ihrem neuen Buch erzählt sie, wie es dazu kam und warum man ihr trotz offener Piraterie die Originalität nie abgestritten hat. Fast nie. Aber es geht auch um die Kraft und den Zug einer guten, rhythmisch abgestimmten Schimpftirade. Es geht um Machtverhältnisse. Um Regeln, die man sich selbst auferlegt. Darum, objektiv zu sein und wütend, aber auf niemanden konkret. Distanz zu erzeugen, damit die Geschichte näherkommen kann. Dass die Texte am Ende mehr wissen als die Person, die sie geschrieben hat, und über mehr berichten als nur über ein Privatschicksal.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 05.06.2025
Um zu herauszufinden, ob man am Werk von Barbi Markovic Freude haben könnte, hilft es laut Rezensent Cornelius Pollmer, sich zu fragen, ob man die Zuschreibung "wunderlich" für Literatur überzeugend findet: Denn genau das sind ihre Texte, im besten Sinne. Und vieles von dem, was ihre Texte ausmacht, findet sich auch in diesen Poetikvorlesungen, freut sich Pollmer: Der sprunghafte Witz, die Verweise auf Autoren wie Thomas Bernhard und Virginia Woolf, aber auch die Herkunft aus Belgrad und das Deutsche als Nicht-Muttersprache. Zu etwas "überlebensgroß Gottschönem" wird der Text, wenn Markovic ihren eigenen Weg geht, wenn sie schildert, wie sie die Zweijahresfrist zum Schreiben der Vorlesung bis auf wenige Tage verstreichen lässt, wenn sie feststellt: "Du bist eine Lügnerin, das ist der wahre Grund aus dem du schreibst." Und Pollmer hofft, dass sie mit dem Schreiben nicht aufhört.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2025
Barbi Markovic überschreitet mit ihrem neuen Buch wieder einmal Grenzen, hält Rezensentin Julia Schymura zu dem Band fest, der die Salzburger Poetikvorlesungen beinhaltet. Es fängt damit an, dass die Zeit, ihre Vorlesung vorzubereiten, furchtbar schnell dahinschmilzt und sich eine Art "literarischer Countdown" einstellt, wie Schymura verrät. Markovic stopft dann alles in die Vorlesung, was ihr in den letzten Tagen vor Antritt noch einfällt - und das höchst humorvoll und mit überraschenden Wendungen. Die Autorin reflektiere darin nicht nur ihr bisheriges Schreiben, sondern auch die titelgebenden Maximen, das Schimpfen diene beispielsweise der Plastizität der Texte, Stehlen sei so ähnlich wie Texte remixen, sie lüge, "um die Wahrheit besser zu treffen." Spielerisch ist der Band auch, weil Markovic ihre Vorlesung durch Ausschnitte aus vorherigen Texten und Screenshots anreichert, was der Kritikerin zufolge aber nicht konstruiert wirkt, sondern frisch, lustig und auch lehrreich.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.05.2025
Rezensentin Meike Feßmann freut sich über diesen Band mit Poetikvorlesungen von Barbi Markovic, in dem sie die volle Kunst der "Taschenspielertricks der Literatur" auskosten kann. Markovic ist 2005 von Belgrad nach Wien gekommen, hat anfangs auf Serbisch geschrieben und mittlerweile auch auf Deutsch, innerhalb von vierzehn Tagen hat sie nun, kurz nach der Auszeichnung mit dem Preis der Leipziger Buchmesse, diese Vorlesungen geschrieben. Als äußerst amüsantes "Schleifendrehen zwischen Selbstzweifeln und Heldinnengesten" liest Feßmann sie, Erinnerungen an den Jugoslawienkrieg spielen inhaltlich ebenso eine Rolle wie kleine Polemiken gegen unkreative Journalistenfragen. In ihrer kurzen Besprechung ist die Kritikerin voll des Lobes für Markovic.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.05.2025
Rezensentin Judith von Sternburg mag die in Belgrad geborene österreichische Schriftstellerin Barbi Markovic eh: Schreibt sie doch selbst für österreichische Verhältnisse die "witzigsten" Texte, findet Sternburg. Aber Markovics Poetikvorlesung, entstanden in 14 Tagen für die Salzburger Universität, setzt noch einen drauf, so scheint es: Die Autorin schreibt unter Druck, schreibt alles runter, was ihr in den Sinn und vor die Augen kommt, reflektiert über das eigene Schreiben und sich selbst, und zwar so selbstironisch, wie es sonst selten ist, freut sich die Kritikerin. Überhaupt: Markovic geht es in ihrer "Notfallpoetik" um alles, erkennt die Rezensentin, die sich besonders amüsiert, wenn die Autorin im Text die eigene Poetikvorlesung personifiziert und diese sich dann lieber Brautigans "Forellenfischen in Amerika" widmet, als Markovic zuzuhören.