Beteigeuze
Roman

dtv, München 2024
ISBN
9783423284158
Gebunden, 304 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
In einer winzigen blauen Wohnung lebt Theresa Neges. Ihr Name, der übersetzt "Du solltest Nein sagen" lautet, scheint nicht ohne Einfluss auf ihr Leben. Einen Beruf hat sie nicht, auch kein Geld. Sie hat nur Josef, ihren Freund, und auch den nicht ganz, trotz Liebe. In ihrem großen grauen Mantel läuft Theresa durch Wien. Liegt im Hallenbad auf dem Beckengrund und übt das Luftanhalten, sucht den Schwindel auf einem Karussell. Denn eigentlich möchte sie ins All: leicht sein, schweben. Und Beteigeuze näher sein, dem gleißend roten Riesenstern im Sternbild Orion, dem sie sich seit ihrer Kindheit verbunden fühlt.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.11.2024
Rezensent Paul Jandl sieht in der Ambiguität dieses "dunkel funkelnden" Romans seine große Stärke. Theresa, die mit ihrem Freund in einer kleinen Wohnung in Wien lebt, flieht aus einer Klinik und weigert sich, ihre Medikamente weiter zu nehmen. Ihr Zuhause bietet ihr Schutz und gleichzeitig die Möglichkeit, in eine "eigenen Welt" zu fliehen. Zum Glück. Sicher? - muss sich Jandl fragen und fühlt sich gerade von dieser "Doppelbödigkeit" der Prosa Barbara Zemans angezogen. Theresa wandert fantasierend durch die Welt, und belebt die schnöde Dingwelt um sie herum. In Wirklichkeit wächst in ihr die traumatische Erfahrung, von der Mutter früh verlassen worden zu sein. Und in dieser "sanften" Dialektik von Außen- und Innenwelt erkennt Jandl den philosophischen Unterton des Romans. Was ist denn überhaupt richtig, fragt der Rezensent mit Zeman, die aus einer persönlichen Tragik ein "großes Glück" für die Literatur mache.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.2024
"Wie ein schlackiger Fiebertraum" kommt Rezensent Luca Vazgec der zweite Roman der österreichischen Schriftstellerin Barbara Zeman vor, aber im besten Sinne: Handlung gibt es nicht so viel, die Protagonistin Theresa Neges erschöpft sich vor allem in ihrer Begeisterung für den Stern Beteigeuze und ihrer Dreiecksbeziehung, in der sie stets den Kürzeren zieht. Vazgec lernt in dem Roman Wien aus der Perspektive einer Außenseiterin kennen. Zeman durchwebt das mit ihrer ganz eigenen Sprache, die von "faltigem Wasser" und "knochenklopfendem Geraschel" spricht - der Kritiker folgt tief beeindruckt diesem Bewusstseinsstrom des Grotesken.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 05.10.2024
Rezensentin Marlen Hobrack wünscht dem Roman von Barbara Zeman geduldige Leser mit Sinn für Sprache und Bilder. Einen echten Plot kann Hobrack im Text kaum ausmachen, dafür umso mehr die Schönheit der Sprache und ihrer Verweise. Alles im Text, die Protagonistin Theresa, ihr Freund, die durchaus erkennbare Gegenwart, Namen, Dinge und Orte, scheint Hobrack rätselhaft und codiert zu sein. Das macht es einer Rezensentin nicht leicht, gibt Hobrack zu. Dass sich Zeman mit ihrem Text allen Erwartungen entzieht, gefällt ihr allerdings gut. Man muss nur geduldig hineinhorchen und schauen, rät sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.08.2024
Rezensent Tobias Rüther trifft sich zum Gespräch mit der Autorin Barbara Zeman, deren Roman ihm ihre große Empathie für das Außenseitertum zeigt: Es geht um Theresa, die "den Verstand verliert" und versucht, sich am Weltall festzuhalten, genauer gesagt am titelgebenden Riesenstern Beteigeuze, denn sie ist traumatisiert. Rüther wird Stück für Stück klar, warum sie sich ausgerechnet von diesem Himmelskörper verstanden fühlt, der von "unsichtbarem Weltraumschrott" umgeben ist. Dass das Buch im Vergleich zum Vorgängerroman weniger verschachtelt ist, freut Rüther. Und dass die Autorin ihre Angst vor Öffentlichkeit zunehmend verliert - unter anderem durch den gemeinsamen Podcast mit Clemens Setz, begrüßt er ebenfalls.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.08.2024
Rezensent Samuel Hamen erkennt viele Stärken im zweiten Roman von Barbara Zeman. Er folgt hier der Wienerin Theresa, die zwischen Depressionen, Therapie, Freund und Arbeit im Cafe davon träumt, sich auf den Stern Beteigeuze zurückziehen zu können. Aber die Autorin verhandelt keineswegs realistisch, diskursiv oder pointenreich die Themen Depression, Beziehung oder Entfremdung, versichert der Kritiker: Vielmehr besticht der Roman durch die geradezu "hypersensible Perspektive" der Heldin, die Innen und Außen verschimmen und die Erzählung mitunter "irrlichtern" lässt. Statt einer zusammenhängenden Handlung lässt Zeman ihre Kapitel "strahlen" und die Sprache flirren, staunt Hamen. So empfiehlt er ein "dunkles Märchen" über existenzielle Erfahrung von Angst und Unrast.