Barbara Gowdy

Die Romantiker

Cover: Die Romantiker
Antje Kunstmann Verlag, München 2003
ISBN 9783888973352
Gebunden, 348 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem kanadischen Englisch von Ulrike Becker. Geschickt verwebt Barbara Gowdy die Geschichten von Abel und Louise, erzählt von der Liebe in unterschiedlichen Stadien - in der Kindheit, der Jugend und als Erwachsene - und in ihren verschiedenen Erscheinungsformen: Da ist die mutterlose Tochter, die sich nach einer liebevollen Mutter sehnt, der Ehemann, auf immer verbunden einer Frau, die ihn verlassen hat, das Mädchen, das von dem Jungen nebenan bezaubert ist, die Frau, die sich weigert, von einem Mann zu lassen, der sich nicht festlegen will. Was meinen wir, wenn wir über Liebe reden? Und warum sind gerade die, die besonders intensiv und bewusst leben und lieben, oft so selbstzerstörerisch? Barbara Gowdy erzählt in "Die Romantiker" eine berührende Liebesgeschichte, sie erzählt von Verlust und Erinnerung mit einer Intensität, die bei den Lesern die Freude und den Schmerz eigener Erfahrungen wieder aufleben lässt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.11.2003

Fast könnte man meinen, Jochen Förster sei von der schriftstellerischen Entwicklung der Kanadierin Barbara Gowdy, die er als stilbildend für Kollege Jonathan Franzen preist, nicht so angetan. Förster verliert sich nämlich in Erinnerungen an die frühen Romane und Erzählbände Gowdys, in denen Gowdy ihrer Lust an Abnormitäten des menschlichen Körpers und Verhaltens frönte und die Seltsamkeiten des Provinzlebens erkundete. Doch seit einiger Zeit, erklärt Förster, sei das Skurrile eindeutig auf dem Rückzug, Gowdy entwickle grundmoralische Positionen, die sie dem Rezensenten bei einem Besuch in Berlin persönlich erläutert hat. Grundsätzliches und wenig Überraschendes, das eine deutsche Erfolgsautorin in null Komma nichts in die Hera-Lind-Liga katapultieren würde, frotzelt Förster. Doch Gott sei Dank schreibt Gowdy nicht, wie sie redet, beruhigt sich der Kritiker. Gowdy verstehe eben ihr Anliegen in Literatur zu übersetzen. "Die Romantiker" sei sicher der klassischste und traurigste Roman Gowdys, da er von einer großen romantischen Jugendliebe berichtet, die tragisch endet. Tolstoi heiße das große literarische Vorbild Gowdys, weiß Förster und bewundert ihre reine Sprache: erzählerisch erweise sich Gowdy als Grande Dame der Literatur, auch wenn sie ideologisch ein High School-Mädchen geblieben sei.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2003

Eine bitteres Buch hat Tobias Rüther gelesen, eines, das voller "Raffinesse und Lebensklugheit einer gestandenen Autorin" steckt. Allein, das genügt nicht, wenn die Geschichte es nicht vermag, die Schicksale der Figuren zu einem einzigen Teppich zu verweben. Auch wenn diese Figuren so beeindruckend gezeichnet sind, dass auch Rüther in seiner Besprechung um sie kreist: Louise, deren Lust, das Leben zu erobern, schon im Mädchenalter versickert, zugunsten ihrer Liebe zu Abel, dem entwurzelten Waisenjungen, der unfähig ist, sie zu erwidern - eine vergebliche Liebe als freiwillig angenommene Lebenslast in einem trüben kanadischen Vorortalbtraum der 60er Jahre, von der sich die Beteiligten nicht mehr erholen werden. Stoff für ein "großes Trauerspiel" war da, findet Rüther, doch Barbara Gowdy habe ihn mit vollen Händen in die vielen Details geschöpft und ein "Kabinett demolierter Biografien" modelliert. Schade, denn die Geschichte ist eine ewige: "Mit jedem Schritt, den sie auf ihn zugeht, weicht er zurück. Entzieht aber sie sich, folgt er ihr. Das gefällt ihr, und ist es noch so ungesund."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.09.2003

Zwischen Faszination und Befremden schwankt Michael Naumann bei der Besprechung dieses "sensiblen, jede weibliche Seelenqual genau sezierenden Buches". In der Geschichte einer beginnenden und kräftig mit Alkohol versetzten, verzweifelten Teenagerliebe breite sich vor dem Leser "das ganze Panorama weiblicher Verletzbarkeit" aus. Die Frage nach dem Wesen der Liebe der Frau zum Mann, die sich "dem - männlichen - Leser mit derselben Dringlichkeit" wie vor der Lektüre stellt, bleibt für Naumann aber schlussendlich ungelöst. Die Autorin Barbara Gowdy entwerfe "einen Atlas der Eislandschaft vergeblicher Gefühle", der sich auf hunderten Seiten vor dem Leser "virtuos geschrieben" ausbreite. Das gelänge ihr im Format "einer wahrlich großen Schriftstellerin", lobt Naumann. Bei aller Faszination für die "tränenreiche" Geschichte hofft er aber doch, dass "Unglück vielleicht doch nicht das höchste Glück auf Erden sei".
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