Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze. 1973 gerät das Leben des elfjährigen Atiq Rahimi aus den Fugen: Sein Vater, Richter am Obersten Gerichtshof in Kabul, wird nach einem Staatsstreich ohne Angabe von Gründen verhaftet. Als man ihn endlich freilässt, geht er ins Exil nach Indien, wohin ihm der Sohn folgt. Ein Kulturschock für den muslimisch erzogenen Jungen, der plötzlich mit einer anderen Zivilisation konfrontiert ist, vor allem mit einer anderen Religion, dem Hinduismus, und ihren nur allzu menschlichen Göttern. Einige Jahre später verschlägt es Atiq Rahimi nach Frankreich, wo er seitdem lebt. Dreißig Jahre nach seiner Flucht aus Afghanistan schreibt Atiq Rahimi erstmals über sein Exil und sein Verhältnis zu Heimat und Muttersprache. Entstanden ist ein poetisches Journal intime, das den besonderen Lebensweg des Goncourt-Preisträgers nachzeichnet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.03.2017
Zunächst einmal lobt Jörg Magenau die in diesem Band enthaltenen, zwischen Zeichen und Zeichnung mäandernden, beeindruckend knappen Abstraktionen des in Afghanistan geborenen Schriftstellers und Malers Atiq Rahimi. Das Geheimnis, das jene "Kallimorphien" umgibt, geht den Texten aber leider völlig ab, moniert der Kritiker - schlimmer noch: Rahimi zerstört es mit "langatmigen" Erklärungen. Damit nicht genug: Die Zitate aus hinduistischen, islamischen und christlichen Quellen mit gelegentlichen Einsprengseln von Hegel oder Foucault erscheinen Magenau wahl- und zusammenhanglos, die autobiografischen Versatzstücke wirken hingegen pathetisch, aufgeladen, aber wenig "erhellend", schimpft er. Dass sich in diesem kuriosen Gemenge aus "Mystizismus" und "Edelkitsch" ein paar Schätze, Legenden und Anekdoten verbergen, scheint den Kritiker zumindest ein wenig gnädig zu stimmen.
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