Arnold Bennett

Hotel Grand Babylon

Roman
Cover: Hotel Grand Babylon
Manesse Verlag, Zürich 2003
ISBN 9783717520160
Gebunden, 379 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Renate Orth-Guttmann, Nachwort von Armin Eidherr. Der Amerikaner Theodore Racksole ist einer der reichsten Männer der Welt, und er hat Sinn für Humor. Weil ihm das Benehmen des Oberkellners missfällt, kauft er während seines Urlaubs in London kurzerhand das Luxushotel "Grand Babylon". Die kuriosen Folgen dieses Geschäfts erzählt der turbulente Unterhaltungsroman aus der Feder eines der meistgelesenen Autoren Großbritanniens. Als neue Besitzer des vornehmen Hauses, das an das traditionsreiche "Savoy" erinnert, geraten Racksole und seine Tochter Nella in den Sog krimineller Machenschaften. Ein Bekannter Nellas und Freund des Prinzen Aribert von Posen wird vergiftet - doch wo ist seine Leiche?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.11.2003

Zu Unrecht ist der britische Autor Arnold Bennett in Vergessenheit geraten, findet Kristina Maidt-Zinke. Zu Lebzeiten - der Traditionalist und Vielschreiber starb 1931 - hatte er "soliden künstlerischen Ruhm erworben, während sein intelligentes Spiel mit Kolportage-Elementen und Facetten britischen Humors ihn zugleich als Unterhaltungsschriftsteller für gehobene Ansprüche populär gemacht hatte". Von diesem Talent kann man sich nach Meinung der Rezensentin in seinem amüsanten Krimi "The Grand Babylon Hotel" überzeugen. Das 1902 erstmals veröffentlichte, jetzt in einer "hübschen" Neuübersetzung auf Deutsch vorliegende Buch war für den Schriftsteller angeblich nur ein literarischer Nebenschauplatz, ein Vorläufer des seriöseren Projekts "Imperial Palace", das aber nie vergleichbaren Erfolg hatte. "The Grand Babylon Hotel" habe er in drei Wochen geschrieben, hatte der Autor damals erklärt. Unsere Rezensentin scheint das nachvollziehbar zu finden: Die "luxusgesättigte Leichtigkeit", mit der die Geschichte entworfen wurde, hänge zwischen den Zeilen "wie der Rauch einer teuren Zigarre". Ein Thema war auch damals schon das Verhältnis zwischen dem alten "kulturell überfeinerten, absturzgefährdeten" Europa und Amerika. Vor diesem Hintergrund entfaltet Bennett sein Talent für Situationskomik und eine Form der Ironie, die zwar "nicht sophisticated" ist, aber durchaus "Eleganz" besitzt, lobt die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.10.2003

Prächtig unterhalten hat sich Angela Schrader mit diesem schon gut hundert Jahre alten "gepfefferten literarischen amuse-bouche". Arnold Bennetts Krimi-Komödie um einen amerikanischen Multimillionäre, der ein Londoner Spitzenhotel kauft, nachdem man ihm dort den gewünschten Cocktail nicht servieren wollte, und das intrigante europäische Personal, erinnert sie von Ferne an die Romane von Henry James. Nur Bennett macht "die Charaktertypen durch entsprechende Vereinfachung fürs komödiantische Genre tauglich, indem er die Vertreter der Neuen Welt als eine Art robuster und durchaus nicht naiver Candides ins Herz eines kultiviert-korrumpierten Europas vorschickt", freut sich Schader. Die "böse Ironie" der Darstellung, schreibt sie, ergibt sich jedoch nicht aus dem Kontrast reich-arm oder Europa-Amerika, sondern aus der überraschenden "Machtfülle", die die Dienstboten ihrem Arbeitgeber entgegensetzen können. Und schließlich zögere Bennett nie, die Intrigenschraube und die grotesken Einlagen noch ein bisschen weiter zu drehen, als der Leser erwartet.
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