Arno Orzessek

Drei Schritte von der Herrlichkeit

Roman
Cover: Drei Schritte von der Herrlichkeit
Steidl Verlag, Göttingen 2008
ISBN 9783865216632
Gebunden, 520 Seiten, 19,90 EUR

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.07.2008

Steffen Martus' Hauptproblem mit dem zweiten Roman von Arno Orzessek: es werden zu viele Worte gemacht und zu viele Gedanken produziert. Wie schon in seinem Romandebüt "Schattauers Tochter" erzählt der Autor in einer Mischung aus Dokumentation und Fiktion deutsche Geschichte, indem er drei Freunde in den Mittelpunkt stellt, die denselben masurisch-pietistischen Familienhintergrund haben. Der Rezensent stört sich enorm an den "gedrechselten" Wendungen, mit denen Orzessek seine Protagonisten über sich und die Welt nachdenken lässt, und für sein Gefühl wirken sie dabei eher wie "Diskursroboter", als wie lebendige Charaktere. Und gerade wenn die Figuren darauf zielen, besonders locker zu erscheinen, wirken sie angestrengt und artifiziell, beschwert sich der Rezensent. Keine Frage, der Autor kann schreiben, er ist "klug und witzig", betont Martus, aber das ändert für ihn nichts daran, dass in diesem Buch einfach zuviel reflektiert und zu wenig "erzählt" wird.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2008

In diesem Roman, der die deutsch-deutsche Geschichte der letzten Jahrzehnte zum Hintergrund hat, fehlt, konstatiert Martin Halter: nichts. Das wird auf die Dauer freilich zum Problem, denn von allem, was der Autor Arno Orzessek in seinem zweiten Roman zu bieten hat, gebe es in Wahrheit: zu viel. Was er zu bieten hat, sind unter anderem "Sprachlust, Genauigkeit, Witz, Ironie", dazu noch unter anderem Informationen über "Angeln, Schweinepest, Kräuterkunde, die Etymologie des Wortes 'Krise', Urologie" sowie viele genau recherchierte Details aus der DDR, die der Autor beziehungsweise sein Ich-Erzähler Albert, den Halter aber für ein "Alter Ego" des Autors hält, mit beträchtlicher Freundlichkeit zeichnet. Aufgehängt ist die Erzählung an den Trieb- und Lebens-Schicksalen dreier Männer aus Bielefeld, die die Welt und den Osten und die Frauen, insbesondere eine mit Namen Yvonne, erobern. Blass bleibt vor allem Albert, den der Rezensent insgesamt überflüssig findet. Und "eindimensional" bleiben, so viel Orzessek auch an Erfahrungen auf sie drauf- und an sie drantue, die anderen Figuren. Es klingt so, als sei dieser Roman, dessen Stärken Halter sich durchaus herauszustreichen bemüht, ihm im Grunde doch ein wenig auf die Nerven gegangen.
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