Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2002
Nicht alle Erzählungen in diesem Band, eine Auswahl von Texten aus drei Jahrzehnten, gehören zu Jochen Laabs besten, urteilt Rezensent Walter Hinck. Das gelte für die früheste Erzählung "Das Zelt" (1974), aber auch für einige spätere, die mit ihren kritischen Spitzen gegen die DDR "eher ein inzwischen bei vielen Schriftstellern der DDR üblich gewordenes Pflichtpensum" erfüllten. Laabs eigentliche schriftstellerische Leistung besteht für Hinck in seiner Verweigerung gegenüber den Erzählweisen des "sozialistischen Realismus". Hinck verweist in diesem Zusammenhang auf das Motiv des plötzlichen Einbruchs von etwas Unerklärlichem, Verstörendem, das bei Laab immer wieder auftaucht. Bestes Beispiel dieses Erzählmusters stellt für Hinck die Erzählung "Abstecher in eine Mühle" (1983) dar. Besonders angetan zeigt sich Hinck auch von der Erzählung "Der letzte Stern" (1988), in der das forschende Ich in einem phantastischen Traum auf der Suche nach Leben außerhalb der Erde durch die Galaxien irrt und überall nur Leere findet. "Die Sprache Laabs'", lobt Hinck, "hält hier den Vergleich mit Friedrich Dürrenmatts Beschwörung kosmischer Katastrophen aus."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2002
Die Rezensentin Beatrix Langner ist ziemlich angetan von den Erzählungen Joochen Laabs' und nennt sie "Kleine-Leute-Prosa" im positiven Sinn. Obwohl sie gleich am Anfang der Besprechung vorwegnimmt, dass "die Ehrlichkeit eines Autors keine brauchbare literarische Kategorie" sei, ist sie genau davon und von der Authentizität schwer beeindruckt, die sie in Laabs Geschichten verortet: "das Eindrucksvollste an diesem ostdeutschen Selbstporträt ist seine erbarmungslose Ehrlichkeit". Außerdem hat Langner Freude an dem Tonfall, mit dem Laabs seine Gedanken zu Papier bringt, ihrer Ansicht nach eine gelungene "Mischung aus Halbfertigem, Gelungenem und Angedachtem". Damit gelingt es ihm ihrer Ansicht nach ausgesprochen gut, seine Inhalte nicht auf Biegen und Brechen in eine Form zu bringen und ihnen doch gerecht zu werden.
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