Andreas Heidtmann

Wie wir uns lange Zeit nicht küssten, als ABBA berühmt wurde

Roman
Cover: Wie wir uns lange Zeit nicht küssten, als ABBA berühmt wurde
Steidl Verlag, Göttingen 2020
ISBN 9783958297142
Gebunden, 280 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Unglaubliches geschieht im Frühjahr 1974: Die schwedische Popgruppe Abba gewinnt den Eurovision Song Contest und wird über Nacht weltberühmt. Ben Schneider und seine Freunde wittern Verrat: Ihre musikalischen Helden heißen Hendrix, Lennon und Dylan, in deren Songs geht es um Existenzielles, um Revolte, Drogen und Utopien. Sie leiden darunter, dass ihnen fortan aus Hitparaden und Jugendclubs Waterloo entgegenschallt. Gegen die dörfliche Tristesse am Rande des Ruhrgebiets hilft Ben manchmal nur das Spiel auf einem alten Klavier, das neben dem Grundig- Musikschrank wie ein Fremdkörper wirkt. Ein elektrisierendes Alter in einer dörflich entschleunigten Zeit, die Ben und seine Freunde jedoch nicht vor den Tragödien des Lebens bewahrt. Denn wo steht geschrieben, wie man ein Mädchen das erste Mal küsst, oder wie man verkraften soll, dass ein Klassenkamerad stirbt? Es beginnt ein Sommer der stillen Revolte und der ersten Liebe. Alles könnte so leicht sein, aber das ist es nicht - denn das Herz funktioniert anders als der Verstand und das Unbehagen ist allgegenwärtig, schielt aus muffigen Partykellern und gepflegten Vorgärten und lässt sich nur gemeinsam ertragen - mit Freunden, exzessiver Musik und der Hoffnung auf rauschhafte Momente.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2020

Rezensent Martin Halter kann sie gar nicht mehr zählen, die autobiografischen Erinnerungen ans Aufwachsen im Ruhrgebiet und Rheinland der Siebziger. Und auch Andreas Heidtmanns spätes Debüt kann ihn da nicht mehr aufrütteln. Das Buch des Verlegers, Lektors und "poetenladen"-Gründers ist keineswegs schlechter als die anderen Romane, versichert Halter - nur eben auch nicht anders. Und so liest er einmal mehr von einer Pubertät zwischen Hünxe und Dorsten, von Schützenfesten mit Autoscooter, Fanta und Brühwürstchen und von erster Liebe zu Schlagerklängen aus Musicboxen. Ein paar "schön sentimentale" Porträts und Szenen können den Kritiker aber leider auch nicht darüber hinwegtrösten, dass die Figuren und Erinnerungen trotz "knallbunter Kuschelflokatis" blass bleiben.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.03.2020

Rezensent Jan Jekal liest nicht zum ersten Mal von einem Jungen in der Provinz der siebziger Jahren, der mit vierzehn Jahren Hermann Hesse und Jack Kerouac für sich entdeckt, den Rausch und die Mädchen. Alles tolle Sachen, findet Jekal, aber als Ausweg aus der kleinbürgerlichen Tristesse im Münsterland nicht wirklich hilfreich und auch nicht besonders originell. Warum Andreas Heidtmann diese Geschichte noch einmal erzählt, erschließt sich dem Rezensenten nicht, auch wenn er zugeben muss, dass der Autor Ruhelosigkeit und Lebenshunger der Jugend ziemlich gut einfängt.
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