Ob in der Sauna, vor dem Altar, auf dem Tennisplatz oder an der Theke, ein Wort gibt das andere: Kriegstraumata und Kaffeekränzchen, Vertreibungsdramen und Wochenendaffären, Gewalt- und Erlösungsvisionen, das kommt in den besten Familien vor. Steigen Sie ein in die tragikomischen Geschichten von Familie Weber aus Kressbronn am Bodensee, in eine rhythmisierte Sprachwelt aus eigensinnigen Assoziationen, schockierenden Tagträumen und stilisierter Mundart.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2006
Nur eine der Figuren hat Rezensentin Dorothea Dieckmann näher berührt, der restliche Roman mit seinem Panorama eines scheinbar harmlosen Ortes am Bodensee dagegen nicht. Warum? Der Erzähler sei auf allzu vorhersehbare Weise auf "Entlarvung" der von ihm skizzierten Spießerwelt aus. Natürlich sei er allwissend und könne jedes Naziverbrechen seiner Protagonisten gegen sie ins Feld führen. Zwei Fähigkeiten muss die Rezensentin dem Autor allerdings doch zugestehen, er erzähle "rasant" und konstruiere ein makelloses Motivgeflecht. Unter dem Strich bleibt für die Rezensentin aber nur eine "Aufzählung" von schrecklichen Begebenheiten übrig, die zudem in einer ihr nicht sympathischen, weil allzu modischen Kurzsatztechnik gehalten sind. Darin, in seiner parataktischen Monomanie, gleiche der Erzähler als "Alleinunterhalter" aufs Haar den von ihm entlarvten brandgefährlichen schwäbischen Spießern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2006
Patrick Bahners ist von der unerbittlichen Folgerichtigkeit dieses Romans, die sich nicht nur in allen Teilen der Familiengeschichte der Webers, sondern auch in der Erzählweise niederschlägt, geradezu gebannt. In dieser Familie vom Bodensee ruhen finstere Geheimnisse wie die Beteiligung an Kriegsverbrechen durch das Familienoberhaupt oder der Selbstmord der Tochter. Der Autor Thomas Weiss entfaltet die ganze unselige Geschichte nach dem "Gesetz des Epos" als eine Folge von Unabänderlichkeiten, erklärt der Rezensent. Der ganze Text sei trotz raffinierter Vor- und Rückblenden im Präsens gehalten, Zukünftiges werde als genauso vorherbestimmt und bis ins Detail festgelegt beschrieben wie die Vergangenheit, erläutert Bahners. Er zeigt sich von den Kunstgriffen des Autors beeindruckt und überlässt sich ganz der "Sogwirkung", die Weiss mit seinem literarischen Verfahren erreicht.
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