Text deutsch-englisch. Herausgegeben von Ulrich Domröse. Mit 93 Abbildungen. Aufnahmen eines Grenzgängers zwischen Ost und West, ein Porträt des geteilten Berlin vor dem Mauerbau, von der DDR-Führung einst verboten.
Wolfgang Kil berichtet ausführlich von der Vorgeschichte zu diesem Bildband. 1961 bewarb ein DDR-Verlag auf der Leipziger Messe seinen Stand mit Fotografien aus einem geplanten Bildband über die "Situation Berlin". Der Fotograf hieß Arno Fischer und war jahrelang in beiden Teilen der Stadt unterwegs gewesen. Kurz darauf wurde die Mauer hochgezogen - die "Situation Berlin" war perdue, der Bildband auch. Er ist nie publiziert worden. Nun sind 40 Jahre später zwar die Fotografien neu erschienen, aber in neuer Anordnung und ohne die damals flankierenden ideologischen Texte, Zeugnisse des Kalten Krieges. Dadurch bekommt der Bildband, so sehr Kil sein Erscheinen ansonsten begrüßt, für ihn etwas Versöhnliches; schwerer vermittelt sich nun auch die Härte des damaligen politischen Klimas, findet er. Die Bilder selbst sind in seinen Augen großartig und René Burris fast zeitgleich erschienenen "Deutschen" sowie Robert Franks "Les Américains" ebenbürtig.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.10.2001
Einen Meister der Zwischentöne und Details nennt der Rezensent Wolfgang Jean Stock den seiner Meinung nach stark vom Film des italienischen Neorealismus geprägten Künstler Arno Fischer und bewundert dessen Gabe, "im scheinbar Beiläufigen die Atmosphäre einer bestimmten Zeit zu erfassen." Gemeint ist die Atmosphäre der 50er Jahre in Berlin, die Ahnung von einer um ihre Identität betrogenen Stadt, die der Fotograf auf seinen Aufnahmen des Ost- wie des Westteils zum Ausdruck bringt. Richtig dankbar zeigt sich Stock darüber, dass der Band auch drucktechnisch so "hervorragend" gelungen ist. Nach 40 Jahren, so gibt er zu verstehen, ist diese Erstveröffentlichung der bereits 1960 von einem DDR-Verlag zum Druck vorgesehenen Bilder ein echtes Glück.
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