Ariana Harwicz

Kopflos

Roman
Cover: Kopflos
C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406836947
Gebunden, 143 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Silke Kleemann. Menschen glauben zu wissen, wozu sie fähig sind. Sie denken, dass sie unter keinen Umständen ihre Eltern umbringen oder einem Kind etwas antun könnten. Sie denken, sie wären nicht fähig, ein Verbrechen zu begehen, bis sie es tun. Ein Supermarkt in Frankreich. Lisa hofft, einen Blick auf ihre fünfjährigen Zwillinge werfen zu können, die mit ihrem Vater einkaufen sind. In einem Sorgerechtsprozess hat sie das Umgangsrecht mit den Söhnen verloren und darf sich dem Haus der Familie nicht mehr nähern. Ihre Kinder sieht sie nur noch einmal im Monat unter Aufsicht. Der Schmerz, das Heranwachsen ihrer Söhne nicht mehr Tag für Tag mitzubekommen, ist so überbordend wie ihre Emotionen. Ihre Pflichtverteidigerin verzweifelt an Lisa, die sich selbst zur größten Gefahr wird, während sie das Leben ihrer eigenen Familie observiert. Doch das Beobachten, das immer mehr zur Obsession wird, reicht irgendwann nicht mehr aus ...

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 04.11.2025

Rezensentin Julia Schröder sieht diesen neuen Roman der in Buenos Aires geborenen Schriftstellerin als konsequente Fortsetzung ihres 2019 ins Deutsche übersetzten Debüts "Stirb doch, Liebling". Auch hier ist die Protagonistin eine wilde, radikal emotionale Frau, die mit den Unterschieden klarkommen muss, die ihr Leben im als spießig wahrgenommenen Frankreich bestimmen. Doch einiges am Leben der Mutter und Ich-Erzählerin Lisa ist auch selbstverschuldet: Aufgrund von 151 Anklagepunkten gegen sie, darunter häusliche Gewalt, wurde ihr das Sorgerecht ihrer Zwillinge entzogen, die stattdessen bei ihrem Vater Armand leben. Nun versucht sie sich wieder ihren Kinder zu nähern, resümiert die Kritikerin. Alles an dieser in alltäglicher und atemloser Sprache erzählten Handlung, die auch Kindesentführung und Flucht einschließe, sei dabei bewusst überzeichnet und hauptsächlich auf Rasanz gebürstet. Das führt Schröder auf die Schreibmethode der Autorin zurück, die keinerlei Planung, festen Regeln oder spezifischen moralischen Absicht folgt. Dadurch liest sich der Text zwar wie ein erfrischender, "140 Seiten langer Punk-Song", enthält jedoch auch Banalitäten und schamlos platzierten Kitsch, auf den die Kritikern hätte verzichten können. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025

Rezensent Christoph Gurk gönnt der argentinischen Schriftstellerin Ariana Harwicz den Erfolg für ihren Roman "Die, My Love" von Herzen: weltweiter Bestseller, Booker-Prize und aktuell die Verfilmung durch Martin Scorcese. Gleiches ist ihrem neuen Roman "Kopflos" zu wünschen, meint der Rezensent, denn der ist fast besser als die Realität. Denn die Parallelen zum Fall um Steakhaus-Erbin Christina Block, der vorgeworfen wird, ihre Kinder entführt zu haben, sind offensichtlich, so Gurk. Was in der Realität aber wie ein "schlechter Thriller" wirkt, ist bei Harwicz literarisch verdichtet in Form eines inneren Monologs, in dem die Mutter, Hauptfigur des Romans, ihre Kinder entführt, das Haus des Ex-Mannes anzündet und vor Gericht landet. Dem rasanten Sog des Romans, der auf knapp 150 Seiten auch das ganze Panorama von Regeln, Normen und Erwartungen ausbreitet, dem die Heldin ausgesetzt ist, kann sich der Kritiker nicht entziehen. 

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